Erste Anzeichen einer Erholung in der LKW-Branche
Volvo will in China Lastwagen produzieren

Der schwedische LKW-Hersteller Volvo AB, Göteborg, hat derzeit keine Pläne, sein Engagement auf dem wichtigen japanischen Markt durch eine Akquisition zu stärken.

GÖTEBORG. "In Japan haben wir eine Nischenstrategie", erklärte Volvo-Chef Leif Johansson in einem Handelsblatt-Gespräch. Anders ist es dagegen in China, wo Volvo nach Worten von Johansson "gern die Produktion von LKW starten möchte". Auch sieht er in Asien - im Gegensatz zu Europa und den USA - keine kartellrechtlichen Hindernisse, durch Übernahmen zu wachsen. "Wir können an der Marktkonsolidierung dort teilnehmen", so Johansson.

Beim japanischen Automobilkonzern Mitsubishi hatten sich die Schweden wieder zurückziehen müssen, nachdem Volvos weltweit größter Rivale, Daimler Chrysler, bei den Japanern eingestiegen war. "Wir sehen derzeit keine Möglichkeiten, in Japan etwas anderes zu sein als ein Nischenimporteur", sagt Johansson und schließt gleichzeitig eine Beteiligung bei Nissan Diesel aus. "Wir haben uns das natürlich genau angeschaut, aber uns dagegen entschieden", so Johansson. Über die Gründe will er nicht spekulieren, doch es ist bekannt, dass Nissan Diesel mit Problemen kämpft.

An Nissan Diesel ist der französische Automobilhersteller Renault beteiligt, der wiederum einen Aktienposten bei Volvo hält. Außerdem hat Volvo die LKW-Sparte von Renault, RVI, übernommen. Johansson glaubt dennoch an einer weiteren Konsolidierung der LKW-Branche. Volvo selbst besitzt ein wichtiges Puzzle-Stück für die Neuordnung. Die Schweden halten noch 45,5 % des Kapitals und 30,6 % der Stimmrechte am einheimischen Konkurrenten Scania.

Nachdem die Europäische Union eine Scania-Übernahme durch Volvo aus kartellrechtlichen Gründen untersagt hatte, muss Volvo bis April 2 004 bei Scania ganz aussteigen. Der mit einem 34 %-igen Anteil zweite große Scania-Aktionär, der Wolfsburger Volkswagenkonzern, galt eine zeitlang als Käufer des Volvo-Pakets. Zuletzt hatte jedoch der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder solche Spekulationen gedämpft und vielmehr eine Dreier-Allianz von Scania, MAN und VW in die Diskussion gebracht. "Ich habe das mit großem Interesse gelesen, möchte es aber nicht weiter kommentieren", erklärt Johansson.

Derzeit will der Volvo-Chef den Scania-Aktienposten zusammenhalten. "Vielleicht taucht ein Käufer auf." Wenn nicht, würden die Aktien an die eigenen Aktionäre ausgeteilt. Sein Konzern hatte 264 Kronen (29 Euro) je Scania-Aktie bezahlt. Derzeit liegt die Aktie bei etwa 209 Kronen (23 Euro). VW bezahlte sogar 370 Kronen ( je Scania-Aktie (40,7 Euro).

Für Volvo sieht Johansson erste Zeichen einer vorsichtigen Erholung der angeschlagenen LKW-Branche. "In den USA haben wir den Tiefpunkt erreicht. Ich glaube, gegen Ende dieses Jahres geht es wieder aufwärts", meint Johansson. Düsterer sieht es dagegen in Europa aus. "Der europäische Markt geht vermutlich um rund 10 % zurück", sagt Johansson, ist damit aber optimistischer als die Konkurrenz.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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