Erste Anzeichen einer Konjunktureintrübung im Geschäftsfeld Industrie
Siemens verspricht weiteres Gewinnplus

cbu MÜNCHEN. "Wir haben nur einen Zwischenschritt getan. Wir wollen mehr. Weitere Stärkung der Ertragskraft, das steht im Zentrum all unserere Bemühungen", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer gestern auf der Hauptversammlung vor knapp 9 000 Aktionären. Der Konzern rechne weiterhin für das Geschäftsjahr 2000/01 (30.9.) mit einem zweistelligem Wachstum bei Umsatz und Auftragseingang. Das Ergebnis soll dabei schneller steigen als der Umsatz.

Von Pierer räumte aber ein, dass es im zweitgrößten Geschäftsfeld Industrie ("Automation and Control") erste Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung gebe. Insbesondere in der Antriebstechnik wird eine Abschwächung "auf hohem Niveau" erwartet, hieß es. Auch im Mobilfunk spüre der Konzern eine momentane Schwäche.

Aktionäre loben Siemens-Management

Die Aktionäre und Aktionärsvertreter lobten in der Aussprache zwar das Management für den Restrukturierungskurs der vergangenen Jahre. Einige Redner äußerten sich aber auch besorgt über die Aussichten, insbesondere mit Blick auf den Handy-Markt, wie auch auf die Abschwächung der Konjunktur in den USA. Willi Bender von der Aktionärsvereinigung SdK forderte den Konzern auf, sich künftig nur noch auf ertragreiche und zukunftsorientierte Geschäftsfelder zu konzentrieren. Manche Ziele für die Umsatzrenditen seien seiner Ansicht nach zu gering angesetzt. Daniela Bergdolt von der DSW monierte, dass die Siemens-Aktionäre zu wenig von den Börsengängen von Epcos und Infineon profitiert hätten. Zudem seien die Ausgabekurse beim Börsengang der beiden Gesellschaften zu gering gewesen. Klaus Kaldemorgen von der Fondsgesellschaft DWS kritisierte die breite Aufstellung des Siemens-Konzerns. "Um endlich den Konglomeratsabschlag zu verringern, ist mehr Fokussierung nötig", forderte er und führte als Beispiel den US-Konkurrenten General Electric (GE) an. Zudem sei kein klarer Kurs bei der Akquisitionspolitik zu erkennen.

Konzernchef von Pierer lehnte Forderungen, den Konzern in eine Holdinggesellschaft umzuwandeln, grundsätzlich ab. Dadurch würden unter anderem die Entscheidungsprozesse unnötig verlängert. "Aber wir sind weiter flexibel", sagte von Pierer. Wo es sinnvoll sei, würden rechtlich unabhängige Tochtergesellschaften gegründet. Siemens sei ein "lebender Organismus". Weitere Akquisitionen und Desinvestments seien künftig geplant.

Abbau der Anteile an Infineon dauert noch

Zum geplanten weiteren Abbau des Anteils an der Chiptochter Infineon sagte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger, dies werde noch "einige Zeit" dauern. Das 71 %-Paket an Infineon ist derzeit rund 18 Mrd. Euro wert. Die Infineon-Aktie war zuletzt wegen des Preisverfalls bei Speicherchips deutlich nach unten gegangen. Neubürger versprach erneut eine marktschonende Trennung. Es werde nach "neuen und unkonventionellen Wegen" gesucht.

Die Hauptversammlung machte gestern den Weg für eine Verknüpfung mit dem Siemens-Aktienrückkauf frei. So können jetzt Infineon-Aktien im Tausch gegen Siemens-Papiere ausgegeben werden. Die Tauschvolumina werden aber "relativ begrenzt" sein, meinte Neubürger.

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