Erste Bank an Zukauf in Bulgarien interessiert
Österreichs Banken setzen auf Osteuropa

Österreichs Bankenmarkt steht nicht erst seit dem geplanten Börsengang der Bank Austria im Blickpunkt. Konkurrent Erste Bank begeistert die Anleger schon länger mit "Ost-Phantasie". Beide Konzerne sind bereits stark in Osteuropa vertreten und wollen weiter auf Akquisitionstour gehen.

WIEN. Andreas Treichl mangelt es nicht an Selbstvertrauen. "Wir haben eine einzigartige Position", meint der Banker, wenn er über die Erste Bank und ihre Aussichten in Osteuropa spricht. Vom starken Wachstum in den Nachbarländern werde das Institut profitieren "wie keine andere Bank weltweit", sagt der Chef des Spitzeninstituts der österreichischen Sparkassen dem Handelsblatt.

Die großen österreichischen Banken setzen voll auf Osteuropa. Der Grund: Der Heimatmarkt stagniert und verspricht kaum Wachstumsraten. "Österreich ist ein sehr harter Bankenmarkt, und das wird auch so bleiben", meinen die Analysten von Merrill Lynch. Osteuropa lockt dagegen mit deutlich höheren Renditen.

Die Erste Bank ist derzeit in vier Nachbarländern vertreten. Bank Austria-Creditanstalt (BA), eine Tochter der Hypo-Vereinsbank (HVB), und RZB Raiffeisen Zentralbank haben bereits eine flächendeckende Präsenz in den östlichen Nachbarstaaten aufgebaut. Die drei Banken gehören zu den acht größten Auslandsinstituten in Mittel- und Osteuropa.

Erfolge kann insbesondere Treichl aufweisen: 2002 machte die Erste Bank ein Gewinnplus von 14 % auf 255 Mill. Euro. Das honoriert die Börse: Die Erste-Bank-Aktie entwickelt sich gegen den Trend bei europäischen, insbesondere deutschen Bankwerten positiv. Trotz der jüngsten Abwärtsbewegung hat sich die Aktie gut gehalten. Die Börsenbewertung erreicht inzwischen mit etwa vier Mrd. Euro sogar das Niveau der Hypo-Vereinsbank (HVB). Viele Analysten, etwa von Merrill Lynch oder Lehman Brothers, empfehlen die Erste-Bank-Aktie zum Kauf.

"Wir wollen in jedem Land das Gleiche tun wie in Österreich", beschreibt Treichl die Strategie. Deshalb übernahm er in Tschechien und in der Slowakei die dortigen Sparkassen Ceska Sporitelna bzw. Slovenska Sporitelna und kann sich damit über Marktanteile von 28 % bzw. 40 % freuen. Zusammen mit den Engagements in Ungarn und Kroatien kommt der Konzern auf knapp 11 Millionen Privatkunden, davon nur noch zwei Millionen in Österreich. "Wir werden Gelegenheiten für Zukäufe wahrnehmen, wenn sie sich bieten", sagt Treichl. Ziel sei es aber, dadurch sofort oder in kurzer Zeit auf einen Marktanteil von mindestens 20 % zu kommen.

Derzeit bietet Treichl für die DSK-Bank, mit 2,5 Millionen Kunden die Nummer eins in Bulgarien. Sein Konkurrent ist dabei die OTB-Bank, das größte Institut in Ungarn, das mehr geboten hat als die Österreicher. Eine Entscheidung des bulgarischen Finanzministers wird für diese Woche erwartet.

Während die Erste Bank derzeit in vier Ländern Mittel- und Osteuropas vertreten ist, glänzen BA und RZB mit nahezu flächendeckender Präsenz. HVB-Vorstand Gerhard Randa, bis Ende März auch Chef der BA, kündigte zudem weitere Übernahmen an. Dazu soll das frische Kapital aus dem geplanten Börsengang verwendet werden (siehe Kasten). Nachholbedarf besteht unter anderem in Ungarn, Tschechien, der Slowakei und in Slowenien. Lediglich in Polen ist die BA derzeit breit mit rund 560 Filialen vertreten und die Nummer drei am Markt. In den anderen Staaten konzentriert sich der Konzern vornehmlich auf Firmenkunden und gehobene Privatkunden. Zudem werden Konzern-Kunden aus Österreich und Deutschland begleitet. Insgesamt werden in 13 Staaten rund 3,5 Millionen Kunden betreut.

Die genossenschaftliche RZB- Gruppe, schon seit 1987 im Osten aktiv, ist ebenfalls auf Akquisitionstour. Der Konzern peilt jetzt unter anderem Kasachstan und die Ukraine an. In 15 Staaten ist der Konzern bereits mit etwa 675 Filialen präsent. Doch während Erste Bank und demnächst auch die BA sich frisches Geld an der Börse besorgen könnten, plagen RZB-Chef Walter Rothensteiner Finanzierungssorgen. Der Konzern gehört den österreichischen Genossenschaften, ein Börsengang der Gruppe ist ausgeschlossen. Deshalb ging Rothensteiner zuletzt auf Partnersuche für das Osteuropa-Geschäft und wollte bis zu 49 % an Investoren abgegeben - doch bisher ohne Erfolg.

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