Erste Bilanz
Die Öffnung Chinas bleibt ein Traum

Am Wochenende gehen die Olympischen Spiele in China zu Ende. Westliche Politiker, Wirtschaftler und Menschenrechtler ziehen eine erste Bilanz. Für Wolfgang Schäuble haben die Spiele die Öffnung des Landes eher gefördert als behindert.

PEKING. Mit den Olympischen Spielen wird am Wochenende in Peking das größte Milliardenspektakel der Sportgeschichte zu Ende gehen. Schon jetzt wird ein weltweiter Zuschauerrekord vor den Fernsehern erwartet, allein bei der spektakulären Eröffnungszeremonie schalteten sich 1,2 Milliarden Menschen zu. Zudem werden die zu Ende gehenden Spiele die teuersten aller Zeiten sein. Beobachter gehen von bis zu 65 Mrd. Dollar aus. Offizielle Angaben, was den Chinesen Olympia wirklich gekostet hat, gibt es allerdings nicht.

Sportler, Besucher und Politiker zeigen sich kurz vor dem Ende der Wettkämpfe von der Organisation begeistert: "Es sind in vielfältiger Hinsicht sehr eindrucksvolle Olympische Spiele", zieht Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein Fazit. Schäuble ist für den deutschen Sport zuständig und hält sich momentan in Peking auf. Er sehe die Volksrepublik auf dem richtigen Weg: "Ich glaube, die Öffnung Chinas wird durch diese Spiele eher gefördert als behindert."

Auch der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, zog gestern eine erste Bilanz: "Das IOC ist sehr zufrieden mit der Art, wie die Spiele organisiert wurden." Das Sportspektakel habe seinen Teil dazu beigetragen, China zu verändern und das Land zu öffnen. Vor allem wegen Chinas Menschenrechtspolitik war die Entscheidung für Peking als Austragungsort kritisiert worden.

Die Chinesen selbst sehen die Sommerspiele schon vor dem Ende als eine gelungene Präsentation an. Olympia sei eine Visitenkarte, mit der sich das Bild der Volksrepublik in der Welt deutlich verbessert habe, loben die Staatsmedien. Die Zeitung "Beijing Qingnian Bao" etwa schrieb: "Wenn diese Spiele einen Weltrekord nach dem anderen bringen, dann sind dies nicht nur die von den Athleten erbrachten, sondern auch die durch die herausragende Organisation vom Olympiakomitee erzielten Weltrekorde."

Gerne werden in China momentan auch ausländische Medien zitiert - allerdings nur positive Olympia-Artikel. Über Manipulationen bei der Eröffnungsveranstaltung, Chinas Internetzensur und die Aushebelung der olympischen Protestzonen erfahren Chinesen kaum ein Wort.

Mit Blick auf die Hoffnungen und Versprechungen, die Peking für den Olympiazuschlag gegeben hatte, ziehen darum keineswegs alle Beobachter eine so positive Bilanz. "Das Regime mit seinem Kontrollwahn wird die Spiele noch lange überleben", meint etwa der britische Journalist Jonathan Fenby, der mehrere Bücher über China geschrieben hat. Selbst Minister Schäuble räumt bei allen Fortschritten in der Volksrepublik nüchtern ein: "China bleibt China."

So wurden in Peking alle Anträge auf Demonstrationen während der Spiele abgelehnt, so harmlos sie auch waren. "Wir können unser Land nicht ins Chaos stürzen", begründete Wang Wei, Vizepräsident des Olympia-Organisationskomitees, die Restriktionen erst vor wenigen Tagen.

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