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Finanzwelt zieht Lehren aus dem 11. September

Das internationale Finanzsystem hat sich bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 als unerwartet robust erwiesen. Die globale Infrastruktur des Systems hielt Stand - trotz massiver Zerstörungen im wichtigsten Knotenpunkt New York. Die dramatischen Ereignisse haben aber auch Schwächen aufgedeckt. Notenbanken, Aufsichtsbehörden und die Finanzwirtschaft sind bestrebt, diese zu beheben.

mak/nw FRANKFURT/M. Anfang der Woche standen die Lehren des 11. Septembers auf der Agenda der Notenbank-Gouverneure der zehn wichtigsten Industrienationen (G10) in Basel. Die Notenbanker diskutierten ein bisher nicht veröffentlichtes, internes Papier, das sich im Wesentlichen mit der Verbesserung der Zahlungs- und Abwicklungssysteme beschäftigt. Es wurde auf Initiative von Tommaso Padoa-Schioppa, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) und Vorsitzender des G10-Komittees für Zahlungs- und Abwicklungssysteme, erarbeitet.

In den USA bemühen sich das Direktorium der Notenbank, die Banken- und die Wertpapieraufsicht gemeinsam im Dialog mit den Marktteilnehmern um Standards zur Stärkung des Finanzsystems im Fall umfangreicher regionaler Zerstörung. Zahlungs- und Abwicklungssysteme sowie Institute, die in kritischen Märkten - Federal Funds (Geldmarktpapiere), Devisen, Commercial Papers und Anleihen - eine wichtige Rolle spielen, sollten sich darauf einstellen, ihre Aktivitäten mindestens am gleichen Geschäftstag wieder aufzunehmen, empfehlen die US-Behörden in einem jetzt vorgelegten, vorläufigen White Paper.

Beeinträchtigungen von einer Woche

Der 11. September beeinträchtigte die US-Anleihe-, Aktien- und Repomärkte für rund eine Woche, schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem Jahresbericht. Eine Rolle spielte dabei, dass die "back up"-Fazilitäten, also Räumlichkeiten, Mitarbeiter und Computersysteme für den Notfall, zum Teil zu nahe bei den betroffenen Instituten lagen und durch die Anschläge ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden. In anderen Fällen lagen zwar perfekte Notfallpläne vor, und die räumlichen und technischen Ausstattungen blieben unbeschädigt. Sie waren aber nie getestet worden und funktionierten daher nicht. Das White Paper empfiehlt regelmäßige Testläufe in gebührendem Abstand und eine ausreichende Ausstattung für den Notfall.

In Europa haben die beiden führenden Clearinghäuser, Euroclear und Clearstream, bereits früh im Sinne des White Papers reagiert. "Euroclear hatte bereits vor dem 11. September umfassende Notfallpläne, die derzeit aber weiter verbessert werden", erklärt Denis Peters, Sprecher von Euroclear in Brüssel, dem Handelsblatt. So überlege man zurzeit, die Mitarbeiter auf verschiedene Standorte im Raum Brüssel zu verteilen. Außerdem spreche man mit anderen Finanzdienstleistern, etwa dem Betreiber des Zahlungssystems Swift, über die Zusammenlegung von Ressourcen für den Notfall. "Das Abwicklungssystem selbst ist krisenfest und muss nicht verändert werden", sagt Peters.

Auch das Clearstream-System habe nach den Anschlägen "exzellent funktioniert". "Die Luxemburger Zentrale hat mit dem Netzwerk in Europa und Südamerika eng kooperiert, um das Kerngeschäft so schnell wie möglich zu stabilisieren", erläutert Clearstream-Chef André Roelants.

Notfallpläne wurden überarbeitet

Gleichwohl hat auch Clearstream aus dem 11. September Konsequenzen gezogen: "Wir haben unsere Notfallpläne nach ausführlichen Gesprächen mit der Branche überarbeitet", berichtet Graham Cope, Sprecher von Clearstream in Luxemburg. Zudem habe Clearstream das Programm der regelmäßigen Tests erweitert. Zuletzt seien die Systeme am vergangenen Wochenende getestet worden.

Die Hypo-Vereinsbank hat ihre Notfallpläne und back-up-Fazilitäten nach den Terroranschlägen zusätzlich zu den Routinetests weiteren Prüfungen unterzogen und Anpassungen vorgenommen. Über Details sprechen die Sicherheitsexperten aber nur ungern öffentlich. Wie andere Geschäftsbanken habe die Hypo-Vereinsbank ihr Rechenzentrum eins zu eins an einem zweiten Ort aufgebaut.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sieht in erster Linie Nachholbedarf bei der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung. "Die Banken brauchen bessere Rückmeldungen von den Strafverfolgungsbehörden auf ihre Verdachtsanzeigen", sagt BdB-Direktor Thorsten Höche. Das erhöhe die Treffsicherheit der Anzeigen. Der Staat müsse daher mehr Personal für die Verfolgung der Anzeigen bereitstellen.

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