Erste Ermittlungen/Bislang 14 Leichen geborgen
Auch Ukraine hält Abschuss von Flugzeug für möglich

Die Ukraine hat am Freitag erstmals eingeräumt, dass ein am Vortag über dem Schwarzen Meer abgestürztes russisches Passierflugzeug möglicherweise von der ukrainischen Marine versehentlich abgeschossen wurde. Alle Theorien über die Ursache des Absturzes hätten nach Einschätzung von Ministerpräsident Anatoli Kinach ihre Berechtigung, sagte sein Sprecher nach einer Meldung Nachrichtenagentur Interfax.

Reuters KIEW. Das Verteidigungsministerium hatte zuvor Vermutungen der USA zurückgewiesen, die ukrainische Marine habe während eines Manövers das russische Flugzeug abgeschossen. Die russische Justiz leitete ein Untersuchungsverfahren wegen einer terroristischen Straftat ein.

"Der Ministerpräsident sagt, dass es mehrere Theorien (über den Absturz) gebe und alle ihre Berechtigung hätten, es aber wegen der Ermittlungen zu früh für eine Schlussfolgerung sei", sagte Kinachs Sprecher. Aus US-Regierungskreisen war zuvor verlautet, alles weise darauf hin, dass der Absturz durch eine ukrainische Rakete verursacht worden sei. Satelliten hätten die Rauchwolke einer Rakete entdeckt, hieß es weiter.

Die Maschine war auf dem Flug von Tel Aviv nach Nowosibirsk in Sibirien, als sie explodierte. An Bord waren offiziellen Angaben zufolge 74 bis 78 Personen, darunter etwa 65 Israelis. Das Flugzeug der Sibir Airlines stürzte nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums etwa 185 Kilometer von der russischen Küste entfernt ab. Nach offiziellen Angaben wurden zunächst 14 Leichen aus dem Wasser gezogen. Agenturberichten zufolge wurden zudem das Cockpit und ein Kabinenteil der Maschine vom Typ Tupolew 154 geborgen.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexander Kusmuk sagte zu Journalisten auf der Krim, in der Nacht seien alle Startdaten noch einmal überprüft worden und die Armee sei zu dem Schluss gekommen, dass ihre Raketen nicht in die Richtung des russischen Flugzeugs geflogen seien. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte zudem: "Die Raketen wurden nur innerhalb einer begrenzten Zone, 30 Kilometer von der Küste entfernt, abgeschossen, und der tragische Unfall ereignete sich 250 Kilometer von den Militärmanövern entfernt."

Vor 18 Monaten war eine veraltete Totschka-U Rakete vom Kurs abgekommen und hatte ein Wohnhaus in der Ortschaft Browari getroffen. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. Erst nach vier Tagen gaben die Behörden zu, dass eine Rakete die Explosion verursacht hatte. Zuvor hatten die Behörden erklärt, ein illegales Munitionslager sei detoniert.

Das Büro des russischen Generalstaatsanwalts Wladimir Ustinow teilte in Moskau mit, es sei gemäß Paragraf 205 des Strafgesetzbuches eine Untersuchung angeordnet worden. Die Anwendung des Paragrafen spiegelt den härtesten Verdacht der Ermittler auf Terrorismus im Zusammenhang mit dem Absturz wider. Eine Kommission unter Leitung des Vorsitzenden des russischen Sicherheitsrates, Wladimir Ruschailo, wurde mit der Untersuchung des Absturzes beauftragt. Vor dem Hintergrund der Anschläge in den USA am 11. September waren unmittelbar nach dem Absturz des Flugzeugs am Donnerstag Vermutungen laut geworden, dass es sich um einen Anschlag handeln könne.

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