Erste Ermittlungserfolge
Datenbank stellt Verbrecher

Kommissar Computer wird immer wichtiger für die deutsche Polizei. Seit 1998 sind die Kriminalämter von Bund und Ländern schrittweise dabei, Merkmale sexuell motivierter Gewaltverbrechen in eine Datenbank einzugeben, die mögliche Serien erkennen kann.

dpa FRANKFURT AM MAIN. Über 5700 deutsche Fälle finden sich inzwischen in der international verknüpfbaren Datenbank ViCLAS. Laut Bundeskriminalamt (BKA) haben sich erste Ermittlungserfolge der neuartigen Methode eingestellt.

Bei einer Serie von rund 30 Vergewaltigungen 1998/99 in Bayern und Baden-Württemberg hat ViCLAS relativ früh Zusammenhänge zwischen bis dahin noch nicht in Zusammenhang gebrachten Vorfällen erkannt und so die Ermittler beider Bundesländer zusammengeführt, berichtet Andreas Tröster vom LKA Stuttgart.

Den entscheidenden Ermittlungsansatz lieferte dann allerdings nicht ViCLAS, sondern die Überwachungskamera einer Disko in Bayern. Einige Opfer erkannten ihren Peiniger, dessen Bild daraufhin an die Türsteher in der Region verteilt wurde.

Das LKA Baden-Württemberg, das für rund 1200 Fälle bislang Details gesammelt hat, rechnet zwei Morde im Homosexuellen-Milieu in Heidenheim und Stuttgart ein und demselben Täter zu. Die Kollegen in Hannover vermuten Parallelen zwischen einer Serie von Mordversuchen im Harz und einem bereits sieben Jahre zurück liegenden Fall in Freiburg im Breisgau.

ViCLAS ist eine Abkürzung für Violent Crime Linkage Analysis System (Analysesystem zur Verknüpfung von Gewaltverbrechen) und ein in Kanada weiterentwickeltes Instrument des US-amerikanischen FBI. In der deutschen Version müssen 168 Fragen zu allen möglichen Details des jeweiligen Verbrechens beantwortet werden. So können Tageszeit oder Entdeckungsrisiko ebenso Anhaltspunkte liefern wie das Sozialverhalten oder die Haarfarbe des Opfers.

Besonders interessant ist aber alles, was über den eigentlichen Gewaltakt - den Sexualmord oder die Vergewaltigung - hinausgeht. Ist der Täter noch beim Opfer geblieben, oder hat er den Tatort inszeniert? Wie hat er Kontakt zu seinem Opfer aufgenommen? So und ähnlich lauten einige der wichtigsten ViCLAS-Fragen. "Wir suchen nach der emotionalen Handschrift des Täters", sagt Olaf Hieber, Chef der Abteilung Operative Fallanalyse (OFA) beim LKA Niedersachsen.

Einen gerichtsfesten Beweis kann die Fallanalyse kaum bringen, wohl aber neue Ansatzpunkte. Sie wird in der Regel bei festgefahrenen Ermittlungen eingesetzt. Der nüchterne Blick von außen auf die belegbaren Fakten bringt manchmal die entscheidende Wendung, wie Frederick Holtkamp vom LKA Düsseldorf berichtet. In einem Mordfall aus dem Ruhrgebiet habe die Analyse die Ermittler vor Ort von einer falschen Spur abgebracht. Die Kommissare seien auf Grund einer zentralen Zeugenaussage "gedanklich blockiert" gewesen.

An der Datenbank sitzen nach Holtkamps Darstellung ausschließlich erfahrene Kriminalisten. "Das Programm allein ist ja nicht intelligent." Monika Schmirl vom hessischen LKA sagt: "Wie bei einer Suchmaschine muss man auch hier die richtigen Fragen stellen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen."

Die Datenbank hat nach BKA-Einschätzung gerade erst die Größe erreicht, wo sich erste Treffer einstellen. Bei ständig breiter werdender Datenbasis sei mit häufigeren Ermittlungserfolgen zu rechnen. "Alle, die damit zu tun haben, halten ViCLAS für einen Quantensprung", ist sich Holtkamp sicher.

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