Erste Filialen eröffnet – Cafetiers bleiben gelassen: „Platz genug für alle“: Starbucks bläst zum Sturm auf französische Café-Kultur

Erste Filialen eröffnet – Cafetiers bleiben gelassen: „Platz genug für alle“
Starbucks bläst zum Sturm auf französische Café-Kultur

ap PARIS. Das Café gehört zu Paris wie der Eiffelturm. Für viele Franzosen beginnt der Tag noch immer mit dem „kleinen Schwarzen“ und einem Schwatz am Tresen. Doch immer mehr Cafés müssen Fast-Food-Restaurants weichen. Und jetzt greift auch noch der Kaffeehaus-Gigant Starbucks aus den USA an. Zuerst

ap PARIS. Das Café gehört zu Paris wie der Eiffelturm. Für viele Franzosen beginnt der Tag noch immer mit dem "kleinen Schwarzen" und einem Schwatz am Tresen. Doch immer mehr Cafés müssen Fast-Food-Restaurants weichen. Und jetzt greift auch noch der Kaffeehaus-Gigant Starbucks aus den USA an. Zuerst werden in den Geschäftsvierteln an der Garnier-Oper und La Défense Caffè Latte und Caffè Americano in Bechern angeboten, schon bald sollen acht weitere Filialen folgen. Das Unternehmen aus Seattle will den schwierigen Markt langfristig überzeugen.

Laut Marktstudien stünden die anspruchsvollen Franzosen dem "Kaffee aus Amerika" zurückhaltend gegenüber, wie Starbucks - Chef Howard Schultz sagt. Die eingesessenen "Cafetiers" beobachten die neue Konkurrenz aufmerksam, aber ohne Angst. Starbucks spreche eine andere Klientel an, meint Christian Navet, Präsident des Branchenverbandes UMIH für Paris und die Hauptstadtregion Ile-de-France: Geschäftsleute, Jugendliche und auch Frauen, die nicht unbedingt zur Stammkundschaft des traditionellen Cafés an der Ecke gehörten. Ein gut geführtes Etablissement aber müsse sich wegen der US-Kette keine Sorgen machen. "Es gibt Platz genug für alle."

Doch setzen strukturelle Probleme der Branche seit Jahrzehnten zu. Um mehr als ein Drittel auf knapp 52 000 sank die Zahl der kleinen Cafés in Frankreich in den letzten 20 Jahren. Einige hätten gemeinsam mit den Industrieanlagen etwa in Nordfrankreich dicht gemacht. Zudem stiegen die Mieten in Innenstadtlagen immer weiter und würden für kleine Wirte unerschwinglich. "Außerdem gehört der Abstecher ins Café für viele nicht mehr unbedingt zu ihrem Tagesablauf", bedauert Navet. Um zu überleben, bieten inzwischen fast alle der rund 5 000 Cafés in der Region Paris mittlerweile auch warmes Essen an, wie UMIH-Präsident Navet berichtet. Beliebt ist vor allem der Mittagstisch, bei dem mit Kollegen und Geschäftspartnern diskutiert und so mancher Vertrag ausgehandelt wird. Und so etwas dürfte bei Starbucks dann doch etwas schwierig werden.

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