Erste Freilassung wird als Auftakt vom Ende der Geiselnahme gewertet
Asienbeauftragter wartet in Libyen auf Wallerts

Die Kidnapper erhalten Geld, Lybien Aufmerksamkeit, die Geiseln kehren zurück. Diese Entwicklung zeichnete sich heute Nacht ab.

Reuters TRIPOLIS. Vor dem erhofften Ende des Entführungsdramas auf den Philippinen ist der deutsche Asienbeauftragte am Mittwoch in Libyen angekommen, wo die Geiseln nach ihrer Freilassung erwartet werden. Cornelius Sommer soll die beiden Deutschen in Empfang nehmen, die mit den übrigen sieben westlichen Geiseln zu einem Zwischenstopp nach Tripolis geflogen werden sollen. Libyen hat in dem seit fast vier Monaten andauernden Geiseldrama auf der Insel Jolo eine Vermittlerrolle übernommen. Islamistische Rebellen ließen dort am Mittwoch eine Philippinerin frei. Nach philippinischen Angaben war dies der Auftakt für die Freilassung aller Geiseln.

Die 35-jährige Philippinerin wurde in einem Militärlager in der Nähe des Verstecks der Entführer dem Chefunterhändler der Regierung, Roberto Aventajado, übergeben. Die Frau arbeitete als Köchin auf der malaysischen Urlaubsinsel Sipadan. Von dort war sie am 23. April mit 20 anderen Menschen, darunter Touristen und Hotelangestellte, entführt und nach Jolo verschleppt worden. Außer ihr wurden bisher sechs Malaysier und die Göttingerin Renate Wallert freigelassen. Ihr Ehemann Werner und Sohn Marc sind weiter in der Hand der Entführer.

Aventajado bezeichnete die Freilassung der Philippinerin als Anfang. "Es wird erwartet, dass die verbleibenden Geiseln von morgen (Donnerstag) an freikommen", sagte der Chefunterhändler. Libyen hat eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen mit den islamistischen Entführern auf Jolo gespielt. Einem Zeitungsberichten zufolge soll das nordafrikanische Land den Geiselnehmern Lösegeld in Höhe von rund 25 Mill. $ (53 Mill. DM) angeboten haben.

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Vor dem Asienbeauftragten der Bundesregierung waren bereits Minnister aus Südafrika und Libanon in der libyschen Hauptstadt eingetroffen, um für die erhoffte Ankunft der Freigelassenen bereit zu stehen. Unklar blieb zunächst, ob auch Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein französischer Kollege Hubert Vedrine durch eine Reise nach Tripolis Libyen ihre Anerkennung für die Vermittlerrolle zeigen werden. In Tripolis gibt es Überlegungen, die libysche Rolle bei der Lösung des Geiseldramas durch eine öffentlichkeitswirksame Inszenierung des Zwischenstopps der Freigelassenen in Tripolis zu betonen.

An einer solchen Willkommensfeier für die Geiseln könnte auch Revolutionsführer Muamar Gaddafi teilnehmen. Libyen hofft nach Einschätzung von Beobachtern offenbar, durch die Anwesenheit hochrangiger Vertreter der Herkunftsländer der Geiseln, besondere Aufmerksamkeit in der Weltöffentlichkeit zu erzielen. Die Uno hatte im vergangenen Jahr die Sanktionen gegen Libyen ausgesetzt, nachdem das Land die mutmaßlichen Drahtzieher des Bombenanschlags auf ein US-Passagierflugzeug im Jahr 1988 an ein Gericht in den Niederlanden ausgeliefert hatte. Die französische Zeitung "Le Canard Enchaine" berichtete, Gaddafi wolle mit seiner Vermittlung in dem Geiseldrama die endgültige Aufhebung des Embargos erreichen.

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