Erste Geräte könnten in diesem Jahr auf den Markt kommen
Display im Handy ersetzt den Lautsprecher

Eine neue Technik könnte das Design von Mobiltelefonen, Handcomputern oder Computerbildschirmen verändern. Töne werden nicht mehr über einen separaten Lautsprecher, sondern mit Hilfe einer transparenten Folie über dem Display übertragen. Bereits in diesem Jahr könnte das erste Handy mit sprechendem Bildschirm auf den Markt kommen.

MÜNCHEN. Bildschirme von Handcomputern und Handys werden künftig auch als Lautsprecher arbeiten. "Sound Window", zu Deutsch Klangfenster, heißt die Entwicklung des japanischen Konzerns Matsushita Electric, der die Geräte unter der Marke Panasonic herstellt. Vor allem Handy-Hersteller könnten von einer Technik wie Sound Window profitieren. Sie stehen unter dem Druck, möglichst große Displays auf den Mobiltelefonen unterzubringen. Denn nur mit diesen lassen sich Multimedia-Dienste optimal nutzen, mit denen die Netzbetreiber ihre Milliardeninvestitionen für UMTS und ähnliche Systeme der dritten Generation wieder einspielen wollen.

Bislang stehen die Handy-Entwickler vor dem Problem, neben dem Bildschirm auch die Tastatur und den Lautsprecher einbauen zu müssen - das kostet Platz. Zumindest der Lautsprecher wird dank Sound Window nun überflüssig. Diese Aufgabe übernimmt eine transparente Folie über dem Display. Weiterer Vorteil: Das System verbraucht nur einen Bruchteil des Stroms wie die Lautsprecher, die zurzeit in den Handys genutzt werden, und verlängert so die Betriebszeit. Es bietet zudem einen besseren Klang als das herkömmliche System.

Technik dem Touchscreen abgeschaut

Das Sound Window ist eine Weiterentwicklung der Touchscreen-Technik. Mit diesen berührungsempfindlichen Bildschirmen arbeiten Fahrkartenautomaten, Bank-Terminals oder Taschencomputer (PDA). Hier liegt über dem Flüssigkristall-Display (LCD) eine dünne Folie mit einem Luftpolster von etwa 0,1 Millimeter Durchmesser und transparenten Elektroden an beiden Seiten. Tippt man mit dem Stift oder dem Finger auf die Oberfläche, berühren sich die Elektroden. Es fließt Strom, und ein Impuls wird ausgelöst. Anders als beim Touchscreen-Verfahren sind beim transparenten Lautsprecher die Luftkammern unter der Folie allerdings miteinander verbunden. Ein akustischer Kanal führt zu einem winzigen Lautsprecherchassis mit Membran und Magnetspule.

Wie in normalen Lautsprechern schwingt der Magnet unter dem Einfluss magnetischer Felder vor und zurück. Die schwingende Luftsäule im Kanal regt nun die Folie über dem Schirm an. Der Prototyp des Panasonic-Handys mit dem sprechenden Bildschirm ist bereits fertig - das Gerät könnte bereits Ende dieses Jahres auf den Markt kommen.

Zudem hat Panasonic bereits die Zusammenarbeit mit einem PDA-Hersteller vereinbart, der das Sound Window nutzen will. Denn diese Geräte werden neben der Verwaltung persönlicher Daten auch zunehmend genutzt, um Musik und Filmsequenzen abzuspielen. Der Bildschirm soll künftig gleichzeitig als Lautsprecher und Touchscreen arbeiten. Auch PC-Monitore könnten mit dem Sound Window ausgestattet werden.

Wiedergabequalität für Musik nicht ausreichend

Auf jeden Fall soll die Technik bei Touchscreens für Informationsterminals eingesetzt werden und auch hier die zusätzlichen Lautsprecher ersetzen. Selbst für Fernseher eignet sich das System. Allerdings ist die Klangqualität noch nicht ausreichend, um etwa Konzerte ähnlich gut wiederzugeben wie mit herkömmlichen Lautsprechern. Laut Koji Tsuchiya, Technologiesprecher beim Panasonic-Hersteller Matsushita Electric, soll dieses Problem unter anderem durch Variationen in den Luftkammern gelöst werden.

Schärfster Konkurrent von Panasonic ist derzeit die englische Forschungsfirma NXT Next Transducers Ltd., die Materialien für transparente Lautsprecher entwickelt. Schon vor drei Jahren haben die Engländer einen metergroßen Plasmaschirm vorgeführt, der auch als Lautsprecher arbeitet. Auf der diesjährigen Cebit zeigten sie ein Siemens-Handy, dessen Lautsprecher, ähnlich wie bei Panasonic, im Display integriert war. Hier treiben Schwingspulen direkt an der Oberfläche Membranen an, die dann Töne abgeben. Serienreif ist diese Technologie namens SoundVu allerdings noch nicht. Nachteile der Lösung sind der relativ hohe Stromverbrauch und die schwierige Anpassung der Membranmaterialien.

Ein generelles Problem aller flachen Lautsprecher, so Michael Jansen, Experte beim Münchener AV-Top-Messlabor, sei die Abhängigkeit von den verwendeten Oberflächen: "Sie schwingen meistens nur in einem schmalen Frequenzband sauber. Darüber und darunter produzieren sie Störungen." Er geht jedoch davon aus, dass transparente Lautsprecher sehr gut funktionieren, wenn sich die Anbieter auf die Frequenzen der menschlichen Sprache konzentrieren.

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