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Erste Gespräche über Sanierung bei Opel - Produktion in Bochum ruht weiter

Begleitet von wilden Streiks in Bochum sind am Montagabend die ersten Gespräche über die Sanierung des Autoherstellers Opel beendet worden. In Bochum stehen unterdessen die Räder weiter still.

dpa-afx BOCHUM/RÜSSELSHEIM. Begleitet von wilden Streiks in Bochum sind am Montagabend die ersten Gespräche über die Sanierung des Autoherstellers Opel beendet worden. In Bochum stehen unterdessen die Räder weiter still. Trotz Kälte und Nieselregens haben die Opel-Mitarbeiter der Nachtschicht in Bochum die Nacht zum Dienstag vor den Toren des Werkes verbracht. Auch die um 06.00 Uhr eingetroffene Frühschicht wollte die Arbeit ruhen lassen.

Vertreter des Managements und des Betriebsrats gingen in der Nacht zum Dienstag nach über zehn Stunden Verhandlungen am Stammsitz der Tochter des weltgrößten Autokonzerns General Motors Opel in Rüsselsheim auseinander. Zunächst sollte nur ein Fahrplan für die schwierigen Verhandlungen entwickelt werden, hieß es. Die Unternehmensleitung will heute (Dienstag) Details nennen. Betriebsräte und Gewerkschaften haben für diesen Dienstag zu einem europaweiten Aktionstag aufgerufen, um gegen den von General Motors angekündigten Abbau von bis zu 12 000 der 63 000 Stellen in Europa zu protestieren.

An zahlreichen Autostandorten der europäischen GM-Konzerntöchter Opel, Vauxhall und Saab sind für heute Kundgebungen geplant. Der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB), Reinhard Kuhlmann, rechnet mit einer Teilnahme an den verschiedenen Veranstaltungen von rund 40 000 Beschäftigten. Es werde "Pressekonferenzen und Veranstaltungen vor den Werkstoren" geben, sagte er der "Netzeitung". Für den Vormittag ist eine Kundgebung in Rüsselsheim geplant. In Kaiserslautern wollen 2 500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegen. In Bochum werden mehr als 10 000 Menschen zur Protestkundgebung erwartet. Im polnischen Gliwice (Gleiwitz) soll die Arbeit fortgesetzt werden, aber die Belegschaft über die Entwicklung in Deutschland informiert werden.

Die Beschäftigten des Werkes in Bochum setzten auch in der Nacht trotz aller Appelle zur Wiederaufnahme der Arbeit ihren Ausstand weiter fort. Durch die Produktionsausfälle wurden im belgischen Werk Antwerpen für die Nachtschicht die Teile knapp. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, er erwarte nun ein Signal des Vorstands. Die Arbeitsniederlegung halte er allerdings für falsch. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte am Montagabend in Berlin zu einer Lösung am Verhandlungstisch.

Die großen Wirtschaftsverbände kritisierten den wilden Streik in Bochum als Gefahr für den Standort Deutschland. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der "Berliner Zeitung" (Dienstag): "Wilde Streiks sind unzulässig und rechtswidrig. Sie gefährden den Standort Deutschland, führen zu einer Radikalisierung und schaden dem Betriebsfrieden." Unterdessen ließ die Opel-Geschäftsleitung Flugblätter verteilen, auf denen die Beschäftigten aufgefordert werden, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Bei den Verhandlungen in Rüsselsheim will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. General Motors hatte vergangene Woche angekündigt, in Deutschland binnen zwei Jahren 10 000 Stellen streichen zu wollen, davon jeweils 4 000 in Bochum und Rüsselsheim.

Die Arbeitnehmerseite bekräftigte am Montag ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Mill. Euro zu leisten. "Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erheblich relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens der dpa. An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall- Funktionäre teil, ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft wurde aber für die kommenden Tage nicht ausgeschlossen. IG-Metall-Vize Berthold Huber sagte der "Stuttgarter Zeitung" (Dienstag), dass die Verhandlungen über den Erhalt der Standorte am Donnerstag fortgesetzt würden.

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