Erste Hinweise auf eine Revision des Urteils von Richter Jackson
Microsoft hat in der Berufungsinstanz gute Chancen

Harte Kritik an Richter Thomas Penfield Jackson: Die Berufungsrichter im Microsoft-Prozess haben Interviews, die der Richter der Erstinstanz während des Prozesses gegeben hatte, verurteilt. "Wären diese Äußerungen im Gericht bekannt gewesen, hätte Jackson den Fall innerhalb einer Minute verloren", sagte Berufungsrichter Raymond Randolph.

siri/ost HB NEW YORK. Thomas Penfield Jackson hatte vor der Urteilsverkündung in vertraulichen Gesprächen mit Journalisten keinen Zweifel an seiner Meinung zum Softwarekonzern gelassen: Die Führungsspitze sei noch "nicht erwachsen", den Microsoft-Gründer Bill Gates verglich er mit Napoleon. "Diese Äußerungen lassen den Schluss zu, dass der Richter voreingenommen war", sagte der Microsoft-Verteidiger Richard Urowsky gestern während der Anhörung in Washington. Ein Vertreter der Anklage kritisierte das Verhalten von Jackson ebenfalls, bekräftige aber, es habe sich nicht um Vorurteile gehandelt, sondern um Ansichten, zu denen der Richter während des Verfahrens gekommen sei.

Die Interviews von Thomas Penfield Jackson wurden auf seinen Wunsch hin erst nach dem Urteil veröffentlicht - was die Sache aus Sicht der Berufungsrichter Harry Edwards und Raymond Randolph "noch weiter verschlimmerte". Öffentliche Kommentare zu schwebenden Verfahren könnten schnell die "Integrität des Justizsystems" gefährden, sagte Edwards.

In der zweitägigen Anhörung vor dem Berufungsgericht versuchte Microsoft, die sieben Richter davon zu überzeugen, dass sich das Unternehmen rechtmäßig verhalten hat und Richter Jackson voreingenommen war. Der Softwarekonzern hofft, dass die zweite Instanz das Urteil aus dem vergangenen Jahr zurücknimmt, das eine Aufspaltung von Microsoft vorsieht.

Rechtsexperten glauben, nach der Anhörung habe der Konzern gute Chancen, der Zerschlagung zu entkommen. "Ich glaube nicht, dass es eine Teilung geben wird", sagte US-Rechtsprofessor William Kovacic. "Wahrscheinlich wird der Fall an die Erstinstanz zurück verwiesen." Wenn das Berufungsgericht der Meinung ist, dass Jackson persönliche Vorurteile in den Prozess mit eingebracht hat, könnte ihm dann das Verfahren entzogen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%