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Erste Klage gegen Merck & Co in Zusammenhang mit Vioxx-Verkaufsstopp

Nach dem herben Rückschlag für den zweitgrößten amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co durch den weltweiten Verkaufsstopp des Kassenschlagers Vioxx ist in den USA eine erste Klage gegen Merck eingereicht worden. Am Donnerstag hatte der US-Konzern sein Arthritis-Medikament Vioxx wegen des Risikos von Herz- und Schlaganfällen weltweit vom Markt genommen, woraufhin die Aktie im Tagesverlauf um mehr als 25 Prozent einbrach.

dpa-afx NEW YORK. Nach dem herben Rückschlag für den zweitgrößten amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co durch den weltweiten Verkaufsstopp des Kassenschlagers Vioxx ist in den USA eine erste Klage gegen Merck eingereicht worden. Am Donnerstag hatte der US-Konzern sein Arthritis-Medikament Vioxx wegen des Risikos von Herz- und Schlaganfällen weltweit vom Markt genommen, woraufhin die Aktie im Tagesverlauf um mehr als 25 Prozent einbrach.

Der Rückzug von Vioxx könnte sich nach Ansicht von Analysten positiv auf die Konkurrenzprodukte von Pfizer und Novartis auswirken. Die Analysten der DZ-Bank rechnen zudem für den Generika-Hersteller Stada mit einem Umsatzplus von drei Mill. Euro durch die Vioxx-Rücknahme.

Die Anwaltskanzleien Federman & Sherwood und Strong sowie Martin & Associates haben am Donnerstag eine Sammelklage bei einem US-Bundesgericht in Oklahoma-City Klage gegen Merck & Co eingereicht. Darin wird dem Konzern vorgeworfen, die Öffentlichkeit und Gesundheitsdienstleister nicht über die Risiken von Vioxx informiert zu haben. Der Konzern, der keine Verbindung zu der deutschen Merck Kgaa hat, hatte 2003 mit Vioxx einen Umsatz von 2,5 Mrd. Dollar verbucht. Vioxx ist neben dem Cholesterinsenker Zocor das wichtigste Medikament für Merck. Insgesamt hatte das Unternehmen 2003 rund 22,5 Mrd. Dollar umgesetzt.

Rückschlag Noch Gravierender ALS Lipobay-Skandal FÜR Bayer

Der Rückschlag für Merck ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch dramatischer als der Vermarktungsstopp für den Cholesterinsenker Lipobay der Bayer AG im Jahr 2001, erklärten Analysten. Mit Lipobay erwartete der Bayer-Konzern 2001 einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Im Jahr vor dem Verkaufstop hatten die Leverkusener 636 Mill. Euro mit dem Medikament umgesetzt. Bayer sah sich damals in den USA einer ganzen Flut von mehr als 10 000 Klagen gegenüber. Der Dax-Konzern hat bisher 1,1 Mrd. Dollar für Vergleiche mit Patienten aufgewendet und kam nach Einschätzung von Experten noch glimpflich davon.

FDA Will Vergleichbare Produkte 'Genau Kontrollieren'

Die US-Gesundheitsbehörde FDA will nun vergleichbare Produkte anderer Hersteller unter die Lupe nehmen. "Merck hat das Richtige getan", sagte der FDA-Leiter Lester Crawford. Die FDA werde "genau kontrollieren", ob bei anderen Präparaten dieser Gattung ähnliche Nebenwirkungen auftreten. Merck & Co hat bei den so genannten COX-2-Inhibitoren zwei Konkurrenten: Pfizer mit Celebrex und Novartis mit Prexige. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer Inc. hält sein Arthrosemedikament Celebrex nach eigenen Angaben für sicher und sieht kein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen. Merck & Co hatte den Rückzug mit Studien begründet, wonach sich durch das Medikament das relative Risiko von Herzkrankheiten erhöhe.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat die Begründung des Merck-Rückzugs bereits fest im Blick. "Wir haben die Merck-Meldung zur Kenntnis genommen", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir überprüfen die Aussagen." Im August hatte die Fachzeitschrift "The Lancet" die Ergebnisse einer großangelegten Studie veröffentlicht, nach der sich das Risiko von Herzerkrankungen durch Prexige nicht erhöht.

Pfizer und Novartis Könnten Profitieren

Der Rückzug von Vioxx könnte sich nach Ansicht von Analysten positiv auf die Konkurrenzprodukte auswirken. Soundview Analyst C.J. Sylvester sagte, der Rückzug des Arthrosemittels Vioxx vom Markt stelle eine gute Möglichkeit für Pfizers Celebrex und Bextra dar. Pfizer könnte aus diesem Grund im kommenden Jahr zusätzlich zehn Cent je Aktie verdienen, fügte er hinzu.

Auch First Albany Capital sieht durch das Merck-Debakel Vorteile für den US-Konzern Pfizer. Diese Neuigkeit sei positiv für Pfizer, der 68,7 Prozent des gesamten US-COX-2 Marktes mit Celebrex und Bextra abdecke, schrieben die Branchenexperten. Einen Effekt, der die gesamte Wirkstoffklasse in Verruf bringt, erwarten die Analysten nicht.

COX-2-Hemmer, wie Vioxx, blockieren ein im Körper gebildetes Enzym, so dass bestimmte entzündungsauslösende Prostaglandine nicht entstehen. COX-2-Hemmer sind magenfreundlicher als die herkömmlichen nicht-steroidalen Antirheumatika (Nsar) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Allerdings kostet die Behandlung mit COX-2-Hemmern nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga das drei- bis siebenfache: Statt weniger als 50 Euro-Cent fallen 1,50 bis 3,50 Euro pro Tag an.

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