Erste Klage wegen Immobilienaffäre
Anleger fordern T-Aktie zum Ausgabepreis

Der Deutschen Telekom droht in den nächsten Wochen eine Flut von Klagen frustrierter Aktionäre wegen der umstrittenen Abwertung von Immobilien in Milliardenhöhe.

ap BONN. Der Harpstedter Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen kündigte an, er werde bereits am morgigen Donnerstag wegen der Immobilienaffäre beim Landgericht Frankfurt die erste Klage gegen den Bonner Telekommunikationsriesen einreichen. "Wir meinen nachweisen zu können, dass die Deutsche Telekom AG in den Börsenprospekten zur zweiten und dritten Aktienausgabe wissentlich falsche Angaben zur Bewertung des Immobilienbesitzes gemacht hat", sagte der Anwalt. Ziel sei es, die Telekom zur Rücknahme der inzwischen im Wert stark gefallenen T-Aktien zum Ausgabekurs zu zwingen.

"Es ist - nach unserem Kenntnisstand - die erste Klage dieser Art gegen die Deutsche Telekom in Deutschland", sagte Gieschen. Dabei geht es um einen Betrag von lediglich 17 000 ? (33 000 DM). Doch rechnet der Anwalt damit, in den nächsten drei Wochen zusammen mit seinem Hannoveraner Kollegen Hans-Joachim Wiebe noch rund 200 weitere Klagen nachschieben zu können. Die Zeit dränge, da bereits am 21. August die Verjährungsfrist ablaufe.

Ein Telekomsprecher betonte in einer ersten Stellungnahme: "Wir halten weiter daran fest, dass wir alle Angaben korrekt vorgelegt haben." Telekom-Chef Ron Sommer hatte die Abwertung des Immobilienbesitzes um zwei Mrd. ? noch auf der Hauptversammlung des Konzerns Ende Mai verteidigt. Er versicherte damals, die Immobilienwerte seien im Rahmen der Eröffnungsbilanz und in den Folgebilanzen rechtlich einwandfrei ermittelt gewesen. Die Korrektur sei erforderlich wegen der Entscheidung, in deutlich größerem Umfang als bisher geplant Teile des Immobilienbesitzes zu verkaufen.

Die Chancen für Kleinaktionäre, bald einen finanziellen Ausgleich für die Kursverluste zu erhalten, stehen nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) eher schlecht. DSW-Sprecherin Petra Krüll hatte bereits vor Wochen vor allzu hoch gesteckten Erwartungen von enttäuschten Telekom-Aktionären gewarnt. Selbst wenn eine Prospekthaftungsklage gegen die Telekom eingereicht werde, würde sich der Rechtsstreit über "mehrere Jahre" hinziehen, erklärte sie. Erfolgreiche Prospekthaftungsklagen seien zudem sehr selten und lägen schon einige Zeit zurück.

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