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Erste Leichen aus "Kursk"-Wrack geborgen

Knapp drei Wochen nach der Hebung des russischen Atom-U-Boots "Kursk" vom Grund der Barentssee sind am Donnerstag die ersten Leichen von Besatzungsmitgliedern geborgen worden. Kurz zuvor hatten sechs Ermittler der Staatsanwaltschaft das Innere des Wracks im Schwimmdock in Rosljakowo bei Murmansk erstmals betreten, wie die Agentur Interfax berichtete.

dpa MOSKAU. Gemeinsam mit den Ermittlern stiegen auch Gerichtsmediziner in das U-Boot, um die toten Seeleute zu bergen. Nach Worten von Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow sind die Leichen noch so "gut erhalten", dass sogar eine visuelle Identifizierung möglich sei. "Wir haben uns das schlimmer vorgestellt", sagte er.

Die Experten hätten zuerst die Heckkammer untersucht, wo die Leichen von elf der ursprünglich insgesamt 118 Seeleute an Bord vermutet wurden, teilte die russische Nordflotte mit. Am Nachmittag wurden zunächst drei Leichen aus dem Boot geborgen. «Die Arbeiten zur Bergung der übrigen Opfer werden zügig fortgesetzt», sagte Ustinow. Schon im Herbst des Vorjahres waren die Leichen von zwölf Besatzungsmitgliedern aus der "Kursk" vom Grund der Barentssee geholt worden.

Unmittelbar nach der durch zwei Explosionen im August 2000 ausgelösten Katastrophe an Bord hatten sich 23 Männer in die hinterste, neunte Sektion geflüchtet. Dort wollten die Seeleute das U-Boot über eine Notausstiegsluke verlassen, die sich jedoch nicht öffnen ließ. Das ging aus dem Abschiedsbrief hervor, den einer der zwölf im Vorjahr geborgenen Toten bei sich trug.

Die "Kursk" war nach der Hebung durch niederländische Bergungsspezialisten Anfang Oktober in das Marinedock Rosljakowo bugsiert wurden. Von den insgesamt 22 Marschflugkörpern an Bord der «Kursk» gehe keine Gefahr aus, sagte der Sprecher der Nordflotte, Wladimir Nawrozki. Die Raketen seien durch die beiden Explosionen an Bord, die zum Untergang der "Kursk" führten, nicht beschädigt worden. Sie sollen in den nächsten Tagen aus dem Boot entfernt werden. "Aber im Moment hat die Bergung der Leichen Vorrang", betonte Ustinow.

Die Ermittler, die als erste das Innere des ursprünglich 150 Meter langen und 18 000 Tonnen schweren Boots betraten, gelten als hart gesottene Männer. Für die schwierige Aufgabe seien "erfahrene und unerschrockene" Experten ausgewählt worden, von denen viele bereits im Kriegsgebiet Tschetschenien gearbeitet haben. Präsident Wladimir Putin hatte den Angehörigen der Opfer versprochen, die Leichen der Seeleute noch in diesem Jahr an Land bestatten zu können.

Die Marine erhofft sich von den Untersuchungen auch Aufschluss über die genaue Ursache der Tragödie. Militärexperten gehen davon aus, dass ein schadhaftes U-Boot-Torpedo bei einem Übungsschießen den Untergang des modernsten U-Boots der Nordflotte verursacht hat. Der Bug des U-Boots war vor der Bergung der "Kursk" aus Sorge vor möglichen weiteren Explosionen abgetrennt und auf dem Meeresboden zurückgelassen worden.

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