Erste Modelle im Weihnachtsgeschäft
Microsoft fordert Nokia heraus

In den nächsten Monaten werden erstmals Mobiltelefone mit einem Betriebssystem von Microsoft in die Geschäfte kommen. Der Software-Konzern fordert damit den finnischen Marktführer Nokia heraus. Die Amerikaner versprechen, dass sie auf dem für Microsoft neuen Markt einen langen Atem haben werden.

MÜNCHEN. Die Zeit, in der sich niemand für Handy-Software interessiert hat ist vorbei. Mit dem Markteintritt des Softwareriesen Microsoft wird dieser bislang wenig beachtete Bereich zu einem zentralen Schlachtfeld der Mobilfunkbranche. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft sollen in Europa die ersten Mobiltelefone mit Software von Microsoft in die Läden kommen.

"Wir sind mit Handy-Herstellern und Mobilfunkanbietern im Gespräch", sagte der für Mobilfunk zuständige Microsoft-Manager Mike Wehrs dem Handelsblatt. Welche Unternehmen sich für die so genannte Smartphone-Plattform von Microsoft entschieden haben, wollte der Amerikaner nicht verraten.

Viel Zeit bleibt für den Vertragsschluss allerdings nicht mehr: Schon in den nächsten Wochen müssen die Geräte produziert - und dann vermarktet werden. Denn die Marke Microsoft soll laut Wehrs eine zentrale Rolle beim Verkauf spielen. Zunächst wird es Microsoft-Handys nur in Europa geben, später auch in Amerika und Japan.

Microsoft tritt mit diesem Vorstoß frontal gegen Mobilfunk-Marktführer Nokia an. Die Finnen müssten sich eigentlich keine Sorgen machen, denn sie liegen im Handyabsatz weltweit mit einem Marktanteil von mehr als einem Drittel weit vor dem US-Rivalen Motorola mit unter 20 %.

Die Handy-Software wird jedoch immer wichtiger, weil Daten fähige Handys, Daten-Organizer und PC immer mehr zusammenwachsen und miteinander kommunizieren. Und bei den PC-Betriebssystemen ist Microsoft nun einmal die unbestrittene Nummer eins. Was liegt näher, als auch sein Handy mit Microsoft-Betriebssystem zu wählen.

Nokia muss sich dieser Herausforderung stellen. Falls es Microsoft gelingt, sein "MS Smartphone" genanntes Betriebssystem wichtigen Konkurrenten schmackhaft zu machen, könnte das zu erheblichen Nachfrage-Einbrüchen bei Nokia-Telefonen führen.

Microsoft-Manager Wehrs verspricht sich von der neuen Software mehr als nur Lizenzeinnahmen. Weil die Handys künftig mit dem Büro, dem Computer daheim und vielen anderen Stellen vernetzt sind, könnte Microsoft in fast allen Unternehmens-Bereichen davon profitieren.

MS Smartphone ist neben dem Betriebssystem Pocket-PC für Taschencomputer der zweite Versuch von Microsoft, auf dem Markt für mobile Geräte Fuß zu fassen.

Wehrs will keine Details über die Absatz-Erwartungen nennen. Er betonte lediglich, dass Microsoft einen langen Atem habe, um seine Produkte zu vermarkten. Dies zeige sich momentan auch an der Spielekonsole X-Box. Die X-Box liegt in den weltweiten Verkäufen momentan weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

Letztlich geht es im Mobilfunk-Markt um den Verkauf von mehreren Hundert Millionen Software-Lizenzen. Entsprechend groß ist der Aufwand: Derzeit kümmern gut 400 Microsoft-Mitarbeiter ausschließlich um Entwicklung und Vermarktung von MS Smartphone.

Nokias neue Konkurrenz-Software der Serie 60 basiert auf Standards, die vom so genannten Symbian-Konsortium erarbeitet wurden. In diesem arbeiten neben Nokia unter anderem Sony-Ericsson, Matsushita, Motorola, Sun, Psion und Siemens mit. Nokia hat seine Software jetzt bereits an Matsushita, Siemens und die weltweite Nummer drei auf dem Mobilfunk-Markt, Samsung, verkauft. Mit der Lizenzierung der Software Serie 60 an die Rivalen hoffen die Finnen Microsofts Markteintritt wenn nicht verhindern, so doch verzögern zu können. Nokia selbst bietet bereits eigene Produkte mit seinem Betriebssystem an.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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