Erste Produktvorstellung außerhalb der USA
Real Networks will Europas Mobilmarkt erobern

Die Real Networks Inc. will sich den europäischen Markt für Audio- und Videosoftware auf mobilen Endgeräten im UMTS-Zeitalter sichern und so dem Konkurrenten Microsoft zuvorkommen. Auf der GSM-Messe in Cannes stellte das US-Unternehmen aus Seattle ein Produktionssystem für Mobile-Multimediainhalte mit dem Namen "RealSystem Mobile" vor.

CANNES. Microsoft spielt auf dem Mobilfunkmarkt noch keine Rolle, hat aber auf der GSM eine Standardisierungs-Initiative zusammen mit Intel angekündigt. Microsofts Media Player hat dem Internet-Pionier Real ("Real Player") im Bereich PC-Multimedia bereits massiv Marktanteile weggenommen, muss aber als Basis immer ein Microsoft-Betriebssystem vorfinden. Das ist aber nur im PC-Bereich Standard.

Hier will Real Networks Chef Rob Glaser ansetzen. Die Mobilfunkbetreiber fürchteten sich davor, in zu große Abhängigkeit von einem einzigen Technologielieferanten zu geraten. Deshalb will Real alle gängigen Mobil-Betriebssysteme - auch auf der Serverseite - von Anfang an unterstützen. Außerdem ist das System offen für den 3GPP-Standard für Datenübertragung im UMTS-Netz und akzeptiert, neben dem Real-eigenen Format, im offenen MPEG4-Standard erstellte Dateien.

Ein Erfolg im Mobil-Multimediamarkt ist für Real überlebenswichtig. Glaser selbst erwartet hier im Multimedia-Datenverkehr Zuwachsraten wie in den Anfangsjahren des Internets. In gut fünf Jahren, hofft er, werden über 50 Prozent der Web-Nutzer mobile Zugänge nutzen.

Es ist der erste weltweite Launch eines neuen Real-Produkts außerhalb der USA: "Europa ist der wichtigste Markt für mobile Infrastruktur", räumt Glaser im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Amerika liege auf diesem Gebiet meilenweit zurück.

Den größten Vorteil von Real sieht Glaser in der breiten Verfügbarkeit von Inhalten für den mittlerweile "RealOne" heißenden Player, der auch als Basis für den Internet-Musikvertrieb "Musicnet" dient. Die UMTS-Betreiber könnten so schnell kostenpflichtige Media-Services entwickeln und Umsätze generieren. Das System habe Schnittstellen zu Copyright- und Abrechnungssystemen. Im UMTS-Zeitalter, wenn der Kunde 24-Stunden online ist, wird die Abrechnung von einzelnen Inhalten eine kritische Größe werden.

Real hat in seinem Bezahl-Service "RealOne" nach eigenen Angaben 500 000 zahlende Nutzer (9,95 $/Monat) und bietet neben Radio- und TV-Programmen exklusive Onlineinhalte wie die Nascar-Rennserie in den USA an. Auch die zunehmende Fokussierung auf den Inhalteverkauf dient dazu, dem Wettbewerb mit dem mächtigen Konkurrenten Microsoft zu entkommen. Der Dienst Musicnet, von dem Glaser hofft, dass er noch dieses Jahr in Europa starten wird, soll ebenfalls auf den Mobilmarkt übertragen werden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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