Erste Reaktionen
Die Analyse der Volkswirte zum Ifo-Index

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni unerwartet deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland stieg auf 88,8 von 87,6 Punkten im Mai. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem leichten Anstieg auf 88,0 Punkte gerechnet.

Reuters BERLIN. Analysten sagten zu den Ifo-Daten in ersten Reaktionen:

Stefan Bielmeier, Deutsche Bank

"Der Ifo ist deutlicher gestiegen als erwartet. Erfreulich ist, dass beide Komponenten mehr als einen Punkt gestiegen sind. Die aktuelle Lage stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Bei den Erwartungen scheint sich ein Trendwechsel anzudeuten, die Tiefststände sollten hier durchschritten sein. Insbesondere die Verbesserung im Einzelhandel gibt Grund zur Hoffnung, dass sich die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte etwas verringert hat. Vielleicht haben die Reformdiskussionen auch etwas zu besseren Stimmung beigetragen."

Ulrike Kastens, S. Oppenheim

"Das ist ein guter Wert! Man kann sagen, dass die Konjunktur den Boden gefunden hat und sich von jetzt an eine sehr moderate konjunkturelle Erholung abzeichnen wird. Positiv ist, dass wir eine ausgeglichene Entwicklung zwischen Erwartungen und Lagebeurteilung haben, was im letzten Monat noch nicht so war.

Positiv ist auch, dass wir in allen Bereichen eine Verbesserung haben. Die Entwicklung im Einzelhandel sehen wir vor allem als Korrektur der schlechten Ergebnisse in letzter Zeit. Die Lage der Verbraucher hat sich ja nicht grundlegend verbessert, etwa was die Arbeitslosigkeit angeht. Man darf aber insgesamt nicht vergessen, dass wir einen dritten Ifo-Anstieg in Folge abwarten müssen, bevor wir von einer echten konjunkturellen Trendwende sprechen können. Der Juli wird also spannend."

Jörg Krämer, Invesco Asset Management

"Der Anstieg ist stärker als erwartet. Er zeigt sich sowohl in der Erwartungs- als auch in der Lagekomponente. Bei der Lagebeurteilung bin ich allerdings skeptisch, weil wir gerade im Juni Streiks hatten, von denen auch die Automobilindustrie betroffen war. Daher sollten wir nun nicht auf eine höhere Industrieproduktion schließen.

Der Index ist zwar zum zweiten Mal in Folge gestiegen, dennoch würde ich das noch nicht als Aufschwungssignal interpretieren, sondern als Stagnation. Zur Vorsicht mahnt auch die Tatsache, dass die anderen wichtigen Frühindikatoren im Euro-Raum in der Summe noch immer fallen. So ist das belgische Geschäftsklima im Juni regelrecht eingebrochen. Es bleibt dabei: Es zeichnet sich kein Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte ab. Wir denken, dass die EZB noch einmal reagieren wird, und der Leitzins im Herbst 50 Basispunkte niedriger liegen wird."

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