Erste Rote Karten
Blatter bricht Tabu: Experiment mit Stadion-TV

Die Schiedsrichter haben die Zügel angezogen. Am vierten WM-Spieltag gab es die ersten beiden Roten Karten des Turniers. Aber Vorsicht: Erstmals werden Fernsehbilder von den Spielen auf dem Rasen live, in voller Länge und mit Zeitlupen-Einblendungen auf den Anzeigentafeln gezeigt.

dpa SEOUL. Georg Cumming, Schiedsrichter-Koordinator des Fußball- Weltverbandes FIFA, hatte noch am Montagmorgen bei der ersten WM-Analyse in Seoul die Unparteiischen gelobt, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt ohne Feldverweise ausgekommen waren. Nach den Spielen Mexiko - Kroatien (1:0) und Brasilien - Türkei (2:1) am Nachmittag musste er feststellen: Es geht doch nicht ohne Rote Karten.

Der Kroate Boris Zivkovic (Bayer Leverkusen) sah als erster Spieler des WM-Turnieres die Rote Karte. Nach der zweiten Roten und einer Gelb-Roten Karte für die Türken Özalan Alpay und Hakan Ünsal entzündeten sich die Gemüter an dem einheimischen Unparteiischen Young Joo Kim. Der "Mann in Schwarz" aus Seoul hatte den Brasilianern einen umstrittenen Foulelfmeter zugesprochen. "Kim hatte einen schweren Job. Die Entscheidungen tragen wir mit", meinte Cumming. Die Platzverweise seien korrekt gewesen."

Der ehemalige Schiedsrichter von der Insel hatte vor diesen Spielen gemeint: "Es stimmt auf dem Platz mit den Spielern und an der Seite mit den Coaches. Sie praktizieren dieses Fingerspitzengefühl. Ich bin zufrieden." Ali Mohammed Bujsaim aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte nach Ansicht von Cumming im Eröffnungsspiel die Richtung gut vorgegeben. Die relativ problemlose Leitung der Begegnungen führt er auch auf die gute Vorbereitung der 36 Auserwählten zurück.

Die Schiedsrichter werden bei dieser WM durch ein Experiment unmittelbar auf den Prüfstand gestellt: Erstmals werden Fernsehbilder von den Spielen auf dem Rasen live, in voller Länge und mit Zeitlupen-Einblendungen auf den Anzeigentafeln gezeigt. FIFA-Präsident Joseph Blatter brach damit ein bisher geltendes Tabu und hat diese Revolution in einem Rundbrief den Beteiligten mitgeteilt.

FIFA-Mediendirektor Keith Cooper unterstützte diese Anordnung und begründete sie auch: "Warum sollen die Leute, die für den Besuch der Spiele viel Geld bezahlt haben, nicht genau das sehen, was den Zuschauern auf dem Bildschirm gezeigt wird." Er fügte aber hinzu: "Hier in Asien ist das möglich. Die Besucher im Stadion sind nicht so aggressiv wie vielleicht in Europa oder Südamerika." Deshalb ist auch noch nicht entschieden, ob diese Neuerung zur ständigen Einrichtung wird.

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