Erste Schätzungen sehen Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe <p>
Weltweit sind Versicherer von dem Attentat in New York betroffen

HANDELSBLATT, 13.9.2001 cbu/rl/stk DÜSSELDORF/LONDON/MÜNCHEN. Nach der Terrorkatastrophe in New York und Washington könnte sich die Haftung auf die beiden Fluggesellschaften konzentrieren, mit deren entführten Maschinen die Anschläge verübt wurden. Ralph Oelßner, Chef der Lufthansa-Versicherungen

HANDELSBLATT, 13.9.2001

cbu/rl/stk DÜSSELDORF/LONDON/MÜNCHEN. Nach der Terrorkatastrophe in New York und Washington könnte sich die Haftung auf die beiden Fluggesellschaften konzentrieren, mit deren entführten Maschinen die Anschläge verübt wurden. Ralph Oelßner, Chef der Lufthansa-Versicherungen vermutet: "Die Schadenersatzforderungen für Personen- und Sachschäden dürften vorrangig an die beiden Luftverkehrsgesellschaften United und American gerichtet werden." Von den betroffenen Gesellschaften war dazu gestern jedoch keine Stellungnahme zu bekommen.

Nach internationalen Standards dürfte über die Allgemeine Luftfahrtversicherung von American Airline und United Airline zusammen eine Summe von bis zu 4 Mrd. $ für Sach- und Personenschäden zur Verfügung stehen. Die ersten Schadenschätzungen der Versicherer gehen hingegen in den zweistelligen Milliardenbereich. Die Schweizer Rück, beispielsweise vergleicht den Schaden mit den europäischen Winterstürmen "Lothar" und "Martin", die die Assekuranz zusammen mehr als 15 Mrd. $ gekostet haben. Solche Schäden schultern die großen internationalen Rückversicherer in der Regel alle zusammen. Anders wären Großereignisse, wie Wirbelstürme, Raumfahrt oder Terror nicht versicherbar.

Forderungen in Milliardenhöhe sehen Experten auch auf den weltweit ältesten und größten Versicherungsmarkt, Lloyds of London, zukommen. "Die Rückversicherer und Lloyds sind direkt betroffen, erklärte Tony Silverman, Versicherungsanalyst von Credit Lyonnais. Lloyds, deren Mitglieder in der Absicherung von US-Kriegs- und Flugzeugrisiken führend sind, erklärte am Mittwoch in London nur, dass es "innerhalb von 48 Stunden" den Einfluss des Terrorakts auf den Londoner Markt beziffern wolle. Die auf Luftfahrt spezialisierten Syndikate tagten bis Redaktionsschluss noch.

1993 musste Lloyds nach dem damaligen Bombenanschlag auf das World Trade Center bereits 510 Mill. $ zahlen. In den 80er und 90er Jahren verschwanden viele Mitglieder von Lloyds nach großen Katastrophen wie Überschwemmungen von der Bildfläche. Amlin Plc., drittgrößte Versicherung von Lloyds, hat derweil seine Pressekonferenz im Rahmen der Präsentation der Interim-Zahlen von gestern auf den 18. September verschoben.

Bei den beiden großen Münchner Versicherern Münchener Rück und Allianz hieß es gestern übereinstimmend, dass sie von einer Schadenbelastung von bis zu 1 Mrd. ausgingen. Der größte Rückversicherer der Welt ist in den USA mit der Tochter American Re präsent. Betroffen seien insbesondere die Haftpflichtversicherung für die beteiligten Flugzeuge, aber auch Feuerpolicen für die betroffenen Gebäude sowie Leben-, Kranken-, Unfall- und Betriebsunterbrechungs-Versicherungen.

Die zu erwartenden Schäden werden den Jahresüberschuss für 2001 "deutlich beeinträchtigen", teilt die Münchener Rück mit. "Die Finanzierungskraft der Münchener Rück ist aber nicht in Frage gestellt", betont die Sprecherin. Die Rückstellungen und Rückversicherungen des Konzerns seien ausreichend. Der bisher größte Schaden für die Münchener Rück war das Erdbeben in San Francisco von 1906.

Der Schaden ist so ungewöhnlich, dass selbst die Versicherer noch ziemlich im Dunkeln tappen. Offenbar sind Terroranschläge in den meisten Policen nicht ausgeschlossen, wie sonst üblich. "Bei solche Katastrophen sind gerade Haftpflichtfragen sehr schwierig", teilt Allianz-Vorstand Herbert Hansmeyer mit. Die Fluggesellschaften können sich nach Ansicht von Fachleuten auch nicht wegen mangelnder Sicherheit am Flughafen aus der Haftung schleichen. Denn, für die Kontrollen am Boden sind die amerikanischen Airlines, anders als in Deutschland, selbst verantwortlich.

Als die Meldung von dem verherenden Terroranschlag über die Ticker lief, waren die Rückversicherer gerade zu ihrem traditionellen Meeting in Monte Carlo zusammengetroffen, wo sie alljährlich die Konditionen für das nächste Jahr festzurren. Jetzt erwartet die Branche massive Preiserhöhungen und zugleich Abstriche am Versicherungsschutz für Luftfahrtrisiken. Dieser Spezialmarkt ist ohnehin angespannt. Seit fünf Jahren häufen sich die Verluste, weil teure Schäden unzureichenden Beiträgen gegenüberstehen. Das weltweite Beitragsaufkommen beläuft sich auf 1,2-1,3 Mrd. $ pro Jahr.

Die Aktien der Rückversicherer reagierten heftig. Münchener Rück und Allianz waren unmittelbar nach der Katastrophe in den USA in den Keller gesackt. Auch gestern verloren die beiden Versicherungswerte deutlich an Wert, drehten dann aber ins Plus.



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