Erste Sitzung des Nationalen Ethikrats
DFG verschiebt Entscheidung über Stammzellenforschung

. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird nicht - wie zunächst angekündigt - Anfang Juli über den ersten Antrag zur Erforschung humaner embryonaler Stammzellen entscheiden.

bia/ink BERLIN/DÜSSELDORFDies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der DFG. Damit beugt sich die Forschungsgemeinschaft offensichtlich dem Druck aus der Politik, die eine Vertagung der Entscheidung über die erste öffentliche Förderung eines Stammzellenprojektes in Deutschland verlangt hatte.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Antrag des Bonner Neurowissenschaftlers Oliver Brüstle zur Forschung mit embryonalen Stammzellen. Der 38-Jährige ist der erste Mediziner in Deutschland, der einen solchen Antrag gestellt hat.

Bereits im Februar hatte der DFG-Hauptausschuss, der für eine Bewilligung des Antrages zuständig ist, die Entscheidung vertagt. Im Mai befürwortete die DFG dann in einer Aufsehen erregenden Stellungnahme erstmals die Erforschung humaner embryonaler Stammzellen. Diese ist, im Gegensatz zur Herstellung, in Deutschland erlaubt.

Auf Druck von Bund und Ländern hatte die DFG trotz der Empfehlung eine Entscheidung über Brüstles Antrag dann aber erneut auf Anfang Juli, wenn der Hauptausschuss das nächste Mal tagt, verschoben. Dann müsse allerdings entschieden werden, weil man den Forscher nicht länger hinhalten könne, hieß es damals. Schließlich habe Brüstle seinen Antrag bereits vor mehr als elf Monaten gestellt.

Doch inzwischen gewann die öffentliche Debatte an Brisanz. Politiker von Grünen und Union forderten die DFG deshalb auf, den vorliegenden Förderantrag zurückzustellen. Der grüne Fraktionschef Rezzo Schlauch etwa appellierte an die DFG, die geplante Reform des Embryonenschutzgesetzes nach der Wahl 2002 abzuwarten und nicht vorschnell Grenzen einzureißen

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Die Bundesregierung verweist außerdem auf den Nationalen Ethikrat. Am heutigen Freitag kommt das 25-köpfige Gremium, das von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ausgewählt wurde, in Berlin zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Ethikrat soll vor allem Empfehlungen zur Gentechnik liefern. Dabei wird es auch um den aktuellen Streit über embryonale Stammzellenforschung gehen.

Sollte sich das Projekt verzögern, bestünde die Gefahr, nicht mehr aktuell zu sein, warnte hingegen Brüstle. "Die Entwicklung könnte uns dann international davon laufen."

Auch Manfred Erhardt, Generalsekretär des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, sieht den Stimmungswechsel mit Sorge. Tag für Tag verschlechterten sich die Aussichten für ein baldiges zustimmendes Votum des DFG-Hauptausschusses, sagte Erhardt gegenüber dem Handelsblatt.

Im Bundesforschungsministerium dürfte man dagegen froh über die Entwicklung sein. Es wäre eine kluge Entscheidung, wenn der Brüstle-Antrag Anfang Juli nicht behandelt würde, sagte eine Ministeriumssprecherin.

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