Erste sprachgesteuerte geografische Datenbank: Das Navigationssystem hört aufs Wort

Erste sprachgesteuerte geografische Datenbank
Das Navigationssystem hört aufs Wort

Navigationssysteme mit Spracherkennung könnten bald marktreif sein. Die Grundlagen dafür sind vorhanden: Die erste geografische Datenbank mit integrierter Spracherkennung ist fertig. Die Hersteller von Navigationssystemen fürs Auto müssen die Technik nur noch in marktreife Produkte umsetzen.

DÜSSELDORF. Das Auto wird bald aufs Wort gehorchen - glaubt man Dirk Bossaert, Vorstandsmitglied bei Phonetic Topographics, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Tele Atlas NV. Bossaert prophezeit: "Navigationssysteme mit Spracherkennung werden schon bald Realität." Unter "bald" versteht Bossaert Ende 2002/Anfang 2003.

Voraussetzung für die sprachgesteuerte Navigation ist eine geografische Datenbank mit integrierter Spracherkennung. Das Tele-Atlas-Unternehmen hat eine solche Datenbank als weltweit erster Hersteller realisiert. Sie wird unter dem Produktnamen "PhoneMultiNet" vermarktet. Hersteller von Navigationssystemen wie Blaupunkt oder VDO Dayton können nun auf dieser Basis Systeme auf den Markt bringen, die buchstäblich aufs gesprochene Wort reagieren.

Die Steuerung mit Hilfe der Sprache bietet den Herstellern von Navigationssystemen die Möglichkeit, eine neue Bedienungsqualität zu erreichen. Doch schon heute spielt die Sprachsteuerung bei Blaupunkt eine Rolle: Der Hersteller hat sein Radiophone - ein Autoradio mit integriertem Mobiltelefon - mit einer Sprachanwahl ausgestattet, wie man es von den Handys kennt. "Das Steuern von Navigationssystemen mit Sprache ist allerdings wesentlich aufwendiger", gibt Joachim Siedler, Sprecher der Blaupunkt-Werke zu bedenken. Hier betreibe das Unternehmen eigene Entwicklungen, sei aber für Kooperationen mit anderen Anbietern offen.

Die Vorstellung, dass Autofahrer bei der Bedienung ihres Navigationssystems nicht erst einen Parkplatz suchen müssen, um dann in Ruhe das Fahrziel Buchstabe für Buchstabe einzutippen, ist schon verlockend. Die Schwierigkeiten der Spracherkennung scheinen inzwischen überwunden. Probleme, die früher häufiger auftraten, wenn es um die komplizierte Umwandlung von Lauten (phonetische Transkription) und Erkennung der Namen, Städte, Gemeinden, Straßen und Plätze ging, treten heute kaum noch auf. Während der Demonstration funktioniert die Spracherkennung jedenfalls. Dirk Bossaert spricht die Namen von Städten und Straßen auf einem derzeit noch PC-basierten System, das umgehend das gewünschte Ziel auf dem Bildschirm darstellt.

Um sämtliche Daten für ein Navigationssystem einzugeben, das Deutschland abdeckt, bedarf es lediglich 350 000 Lautbilder, so genannter Phoneme. Das hört sich zunächst recht wenig an, aber die Haupt-, Beethoven- oder Lindenstraße gibt es nun mal in fast jedem größeren Ort. "Die recht überschaubare Zahl von 350 000 Phonemen macht das System auf der anderen Seite auch recht sicher", sagt Bossaert.

Tele Atlas als Weltmarktführer bei digitalen Straßenkarten will mit dem phonetischen Transkriptionssystem den Entwicklern von Fahrzeug-Navigationssystemen und Location Based Services (lokal bezogene Angebote) den Weg für sprachgesteuerte Anwendungen ebnen. Mit der Produktion der phonetischen Transkriptionen wurde in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien jetzt begonnen. Tele Atlas und Phonetic Topographics planen zudem die Bereitstellung phonetischer Transaktionen für andere Daten wie Firmennamen, Hotels, Restaurants, Flughäfen, Bahnhöfe oder Sehenswürdigkeiten, die für eine Reihe ortsbezogener Dienste genutzt werden können.

Neben der besseren Spracherkennung haben die Entwickler bei Phonetic Topographics zusätzlich die Sprachausgabe optimiert. Navigationssysteme können den Fahrer nun exakter leiten. In Zukunft heißt es nicht mehr lediglich "zweite Straße links", sondern präziser "zweite Straße links in die Adenauerallee abbiegen".

Mit dem Thema Spracherkennung und-steuerung im Auto beschäftigen sich aber nicht nur die Anbieter von Navigationssystemen. Auch die Autobauer suchen nach Möglichkeiten, den Fahrkomfort und die Sicherheit mit dieser Technik zu verbessern. So entwickelt Daimler-Chrysler in seinem Forschungszentrum in Auburn Hills die Technik der Sprachsteuerung weiter. Neben der Navigation können sich die Entwickler dort auch vorstellen, dass eines Tages auch das Auto aufs Wort gehorcht - zumindest aber viele Funktionen des Autos mit knappen Kommandos gesteuert werden.

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