Erste umfassende Untersuchung über Aktien-Handelskosten in deutschen Investmentfonds
Unsichtbare Kosten drücken Fondsrendite

Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren kostet Geld. Wieviel ist bisher kaum bekannt. Eine aktuelle Studie lässt erahnen, wie schnell hektisches Handeln an der Wertentwicklung eines Fonds nagen kann. Auch vielen institutionellen Anlegern ist dies kaum bewusst. Sie schauen oft nur auf die fixen jährlichen Managementgebühren.

FRANKFURT/M. Für eine Wertpapiertransaktion bei europäischen Standardwerten zahlen deutsche Fondsmanager durchschnittlich 0,68 Prozent des Ordervolumens. Zu diesem Ergebnis kommt eine Pilotstudie der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors, Bad Soden, und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dabei handelt es sich um die erste umfassende empirische Untersuchung über Wertpapier-Transaktionskosten bei deutschen Investmentfonds.

"Die Wertpapier-Transaktionskosten sind meist wichtigster Kostenfaktor im Asset Management", sagt Christian Schlenger, Geschäftsführer von Alpha Portfolio Advisors: "In Deutschland wurden diese Belastungen bisher nicht angemessen beachtet - weil sie für den Anleger wenig transparent sind." Lutz Johanning, Projektleiter der Pilotstudie, sieht in "überhöhten Kosten oft die Ursache für unterdurchschnittliche Wertentwicklungen".

Transaktionskosten werden vom Fondsvermögen abgezogen und belasten damit die Performance, also die Wertentwicklung des Fonds. Ein Rechenbeispiel: Tauscht der Fondsmanager das gesamte Portfolio über das Jahr hinweg aus, fallen zweimal - nämlich bei Verkauf und Neukauf - Kosten in Höhe von 0,68 Prozent an. Die Wertentwicklung wäre dann um 1,36 Prozent niedriger als ohne Transaktionen. Das Rechenbeispiel scheint praxisnah zu sein. "Beim klassischen deutschen Aktien-Spezialfonds wird im Schnitt einmal im Jahr ausgetauscht", sagt etwa Hartmut Leser, Geschäftsführer der Consultingfirma Feri Institutional in Bad Homburg.

Die Handelskosten nehmen mit sinkender Marktliquidität zu. "Bei Nebenwerten würde ich mindestens eine Verdopplung erwarten", sagt Michael Fuß, der das Projekt für den zweitgrößten Spezialfondsverwalter Deutsche Asset Management begleitete. Daniel Wiener, bei State Street in London verantwortlich für den Wertpapierhandel in Europa, geht noch weiter: "Die potenziellen Handelskosten für kleine Aktien können in der Summe leicht mehrere Prozent des Ordervolumens ausmachen."

Spitze des Kosten-Eisbergs

Grundsätzlich sind für den Anleger nur Teile der Handelskosten sichtbar. Sie bilden damit gleichsam die Spitze des Eisbergs. Dazu gehören in erster Linie die von der Depotbank berechneten Transaktionsgebühren. Bei europäischen Standardwerten machen sie im Schnitt 0,21 Prozent des Ordervolumens aus. Hinzu kommen Brokergebühren für die Abwicklung der Order.

Unbekannt ist insbesondere der so genannte Markteinfluss. Hier geht es um die Kursbewegung der zum Kauf oder Verkauf anstehenden Aktie zwischen dem Zeitpunkt der Ordererteilung und der kompletten Orderausführung. Dies macht im Schnitt weitere 0,23 Prozent aus. Eine eigene Kauforder lässt demnach den Kurs an der Börse tendenziell steigen, die Verkaufsorder sinken. "Bei weniger liquiden Titeln wird das ein echtes Problem", sagt Daniel Wiener.

Ein weiterer intransparenter Posten sind die von den Maklern an der Börse gestellten Kauf- und Verkaufspreise. Die dadurch entstehende Geld/Brief-Spanne kann bei marktengen Titeln zur Renditefalle werden. "Bei britischen Nebenwerten gibt es manchmal Spannen von über zehn Prozent", sagt Wiener. Von geringer Bedeutung sind dagegen die sogenannten "Wartekosten": Damit sind Kursbewegungen gemeint, die in der Zeit zwischen Investitionsentscheidung und ihrer Umsetzung anfallen. Bei den Kauforders lagen die durchschnittlichen Transaktionskosten per saldo bei 0,39 Prozent, bei Verkaufsorders dagegen viel höher bei 1,03 Prozent. "Verkäufe sind häufiger von Panik bestimmt, man sucht in schwierigen Situationen die Positionen fast um jeden Preis loszuwerden", sagt Schlenger.

Die Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors will mit ihrer Studie in Deutschland die Idee vorantreiben, alle Vorgänge beim Vermögensverwalter zum höchsten Nutzen für den Anleger zu gestalten. Dieser sogenannte "Best-Execution"-Ansatz wird derzeit international diskutiert. Der Verband AIMR, in dem wichtige amerikanische und britische Investmentvertreter organisiert sind, will entsprechende Richtlinien einführen. Ein Aspekt dabei ist das Transaktionskostenmanagement. Alpha Portfolio Advisors plant, Kapitalanlagegesellschaften zu zertifizieren. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Michael Fuß von Deutsche Asset Management.

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