Erste Vertrauenskrise ist überwunden
Private wie institutionelle Anleger kehren an den Neuen Markt zurück

Zehn Tage nach den Terroranschlägen in den USA notierte der Nemax 50 bei weniger als 650 Punkten, zum Wochenauftakt stand er zeitweise bei 1 325 Zählern – ein satter Gewinn von mehr als 100 % in weniger als zwei Monaten. Die Anleger, die den Neuen Markt zuvor panikartig verlassen hatten, kehren zurück.

HB FRANKFURT/MAIN. Seit Anfang Oktober steigen die Kurse an der Frankfurter Technologiebörse sogar deutlich schneller als die am US-Pendant Nasdaq. Dort waren die Preise allerdings zuvor bedeutend moderater gefallen. Der Kursaufschwung am Neuen Markt dürfte sich nach Meinung von Experten noch mindestens bis zum Jahresende fortsetzen: "Der Markt will nach oben" sagt Karl Fickel von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Er kann sich vorstellen, dass die Aufwärtsphase noch bis in den Januar hinein anhält. Auch Wassili Papas, Fondsmanager bei Union Investment, glaubt nicht, dass "die Kurse kurzfristig zurückkommen."

Dabei scheinen private wie institutionelle Anleger wieder auf den Markt zu setzen. Darauf weisen einerseits exorbitante Kurssprünge bei Werten hin, die für die großen Fondsgesellschaften auf Grund der gehandelten Volumina uninteressant sind. So stiegen beispielsweise Kleindienst Datentechnik innerhalb eines Monats auf das Fünffache, D+S Online verdreifachten ihren Wert im gleichen Zeitraum. In der Summe sind von den Gesellschaften auch nach den Kurssteigerungen nur Papiere im Wert von rund 16 Mill. € im Umlauf. Hier sind Privatanleger am Werk.

Nemax 50 hat sich seit seinen Tiefstständen verdoppelt

Andererseits gibt es eindeutige Indizien dafür, dass auch die Profis wieder im Markt sind. So konnten die 12 kapitalstärksten Werte im Neuen Markt ihre Kurse seit den Tiefstständen um durchschnittlich deutlich mehr als 100 % steigern: "Niemand will mit einem hohen Kassenbestand ins neue Jahr gehen", meint Papas. Den Profis bliebe fast keine Wahl. Sie müssten investieren, um keine Rendite zu verschenken. Papas beschreibt die aktuelle Erholung als "liquiditätsgetriebene Hausse in der Rezession" und hält sie daher für gefährlich. Selbst bei einer erwarteten konjunkturellen Erholung im Jahr 2002 sieht er bei vielen Papiere kaum noch Luft nach oben, wenn der aktuelle Aufwärtstrend noch einige Wochen anhält.

Beschleunigt werde der steile Kursanstieg durch so genannte Hedge-Fonds, die auch für den voran gegangenen Abstieg mitverantwortlich waren. Die Fonds, die mit Termingeschäften agieren, hätten in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen. Schon jetzt seien manche Aktien so hoch bewertet, "dass einem schwindelig wird", betont Papas. Er rät daher eher dazu, auf stark wachsende etablierte Gesellschaften beispielsweise aus dem Pharmabereich zu setzen. Der Fondsmanager warnt davor, dass es bei den typischen Technologietiteln zu einer erneuten Kapitalvernichtung kommen könnte.

Auch Fickel führt die aktuelle Hausse auf den hohen Liquiditätsdruck zurück. "Viele versuchen, auf Biegen und Brechen bei den großen Werten dabei zu sein." Das Tempo des Aufschwungs bezeichnet er als "unheimlich". Es rede zwar niemand mehr darüber, "dass der Neue Markt tot ist", doch auch er rät zur Vorsicht, da die Kurssteigerungen fundamental nicht gestützt seien: "Wenn Ende März kein konjunktureller Silberstreif erkennbar ist, kann die Stimmung ganz schnell kippen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%