Ersten Neuemissionen kommt besondere Bedeutung zu: Kommentar: Erfolgreiche Börsengänge gebraucht

Ersten Neuemissionen kommt besondere Bedeutung zu
Kommentar: Erfolgreiche Börsengänge gebraucht

DÜSSELDORF. Fast ein halbes Jahr ist es her, dass sich mit dem Karlsruher Spezial-Software-Haus Init das bislang letzte Unternehmen an den Neuen Markt gewagt hat. Nun kommen weitere Börsenkandidaten aus der Deckung, wenn auch nur sehr vorsichtig. Das ist mutig, aber nicht verwunderlich.

Erstens haben sich trotz der Talfahrt am Neuen Markt und hoher Kosten für eine Platzierung längst nicht alle Kandidaten von ihren Börsenplänen verabschiedet. Denn mit keiner anderen Finanzierungsform lassen sich Zukunftspläne junger, aufstrebender Unternehmen besser verwirklichen. Zweitens dürfte nach einer langen Durststrecke bei Emissionen den ersten Börsenaspiranten des Jahres eine hohe Aufmerksamkeit gewiss sein.

Und bei aller Enttäuschung über die massiven Kurseinbrüche: Es gibt in Deutschland noch immer eine ganze Reihe innovativer und wachstumsstarker Unternehmen, die dem spekulativen Anleger gute Kurschancen bieten. Init, der Software-Anbieter für den öffentlichen Personennahverkehr, ist hierfür das beste Beispiel. Über 50 Prozent beträgt das Kursplus seit der Erstnotiz im Juli.

Nun ist Init leider ein Einzelfall, da die anderen zehn Neuemissionen des vergangenen Jahres am Neuen Markt gegenwärtig alle im Minus notieren. Dass sich die meisten weniger schlecht als der Markt entwickelt haben, ist ein schwacher Trost. Die Verantwortung dafür, dass das Vertrauen der Anleger zurückkehrt und wieder Geld in Neuemissionen fließt, tragen zum großen Teil die Emissionsbanken. Sie müssen Konsequenzen aus den Fehlern der Vergangenheit ziehen. Dass rückläufige Quantität kein Garant für steigende Qualität ist, hat die Kursentwicklung der Neulinge im vergangenen Jahr bewiesen. Es verwundert deshalb nicht, dass sich derzeit kaum eine der zuletzt zu Recht kritisierten Banken darum reißt, den risikoreichen Börsengang zu begleiten. Für den Anleger bringt dies Vorteile: Um ihren Ruf besorgt, werden die Banken nur bei solchen Unternehmen das Börsenwagnis eingehen, von denen sie absolut überzeugt sind. Anlegern werden sie mit einem günstigen Preis entgegenkommen.

Den Aspiranten weht daher ein rauer Wind entgegen: Management, Geschäftsmodell und Ertragssituation werden deutlich stärker durchleuchtet werden als in der Vergangenheit. Fakten rücken an die Stelle von Ideen und Phantasie. Schon jetzt lässt sich dadurch absehen, aus welchen Branchen die meisten künftigen Börsenkandidaten stammen werden. Favoriten sind eindeutig die Bereiche Technologie und Industriezulieferer, die sich trotz Kursabschlägen in der Vergangenheit stets behaupten konnten. Danach folgen mit der Biotechnologie, Medizintechnik und Nanotechnologie Branchen, die unter Experten weiter große Kursphantasie auslösen. Chancenlos dürften künftig Unternehmen aus der Internetbranche sein, schwer werden es die Bereiche Medien und Software haben. Hier wurde das Anlegervertrauen zu stark erschüttert.

Sollten die ersten Börsengänge am Neuen Markt ein Erfolg werden, könnten durchaus die von Experten erwarteten bis zu 40 Neuemissionen in diesem Jahr an den Markt kommen. Falls bereits die Aktien der ersten Debütanten floppen, bleibt diese Zahl Illusion. Der Neue Markt hat wieder einmal die Chance, alles besser zu machen.

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