Erster Atomtransport seit vier Jahren startet am Montag
Der Castor-Transport in Zahlen und Fakten

dpa GORLEBEN. Der an diesem Montag beginnende Castor-Transport nach Gorleben ist der erste Atommülltransport in das niedersächsische Zwischenlager seit vier Jahren und zugleich der erste unter der rot- grünen Bundesregierung. Zahlen und Fakten zum Transport:

Der Castor

Aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague kommen sechs Transport- und Lagerbehälter vom Typ Castor HAW 20/28 CG nach Gorleben. Castor ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "cask for storage and transport of radioactive material". Die in einem Stück aus Gusseisen gefertigten Behälter sind gut 6 Meter lang und haben einen Außendurchmesser von rund 2,5 Meter. Sie wiegen im beladenen Zustand 112 Tonnen. Verantwortlich für die Entwicklung und Produktion der Behälter ist die Gesellschaft für Nuklear-Behälter.

Die Glaskokille

In jedem Castor befinden sich 28 hochradioaktive Glaskokillen. Sie enthalten die nicht verwertbaren Spaltprodukte abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken. Diese werden bei rund 1 100 Grad mit einem Glasgranulat zu einer homogenen Glasmasse verschmolzen. Die Masse wird in einen Edelstahl-Zylinder gefüllt, der 1,34 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 43 Zentimetern hat. Jeder Zylinder fasst 400 Kilogramm der Glasmasse. Die Temperatur an der Oberfläche beträgt beim Rücktransport noch 150 bis 180 Grad.

Das Zwischenlager

Das Zwischenlager Gorleben wurde 1983 in Betrieb genommen. Der erste Castor-Behälter wurde erst 1995 eingelagert. Weitere sieben folgten bei den Transporten 1996 und 1997. Das Lager besteht im wesentlichen aus einer Stahlbetonhalle, die 182 Meter lang, 38 Meter breit und 20 Meter hoch ist. In ihr gibt es 420 Castor-Stellplätze. Für jeden - ob genutzt oder leer - bezahlen die Betreiber der Atomkraftwerke rund 50 000 DM im Jahr. Die Halle dient nach Angaben des Zwischenlagerbetreibers, der Brennelementlager Gorleben GmbH, nur als Wetterschutz. Die Genehmigung des Zwischenlagers ist bis zum 31. Dezember 2034 befristet.

Die Wiederaufarbeitung

Aus deutschen Atomkraftwerken sind nach Angaben der Gesellschaft für Nuklear-Service bislang rund 5000 Tonnen abgebrannte Brennelemente in die Wiederaufarbeitung ins Ausland gegangen. Der größere Teil wurde nach La Hague (Frankreich) geliefert, der kleinere Teil nach Sellafield (Großbritannien). Weitere 2 000 Tonnen sollen noch aufgearbeitet werden. Damit muss Deutschland nach bisherigem Stand aus Frankreich 127 Castor-Behälter und aus Großbritannien 39 Behälter mit je 28 Glaskokillen zurücknehmen. Bislang stehen erst drei Behälter aus La Hague im Zwischenlager Gorleben.

Die bisherigen Transporte

Der erste Castor-Behälter traf am 25. April 1995 im Zwischenlager Gorleben ein. Er enthielt abgebrannte Brennelemente aus dem Atomkraftwerk Philippsburg (Baden-Württemberg). Beim zweiten Transport kamen am 8. Mai 1996 erstmals Glaskokillen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Gorleben an. Der bislang größte Transport mit gleich sechs Behältern erreichte das Zwischenlager am 5. März 1997. In zwei Behältern waren Glaskokillen aus La Hague. Drei Behälter mit abgebrannten Brennelementen kamen aus dem Atomkraftwerk Neckarwestheim (Baden-Württemberg), ein weiterer aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen (Bayern).

Die Polizeieinsätze

Die Polizeieinsätze zur Sicherung der Castor-Transporte wurden von Jahr zu Jahr aufwendiger. Beim ersten Transport 1995 waren bundesweit rund 15 000 Beamte im Einsatz, davon allein 9 000 in Niedersachsen. 1997 sicherten bereits rund 30 000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz die Transportstrecke. In Niedersachsen waren es knapp 15 000. Ihnen standen im Wendland rund 10 000 Demonstranten gegenüber, darunter etwa 1 000 gewaltbereite Autonome. Die betriebswirtschaftlichen Kosten dieses dritten Transportes beziffert das Innenministerium in Hannover auf 111 Mill. DM. Tatsächliche Mehrkosten entstanden dem Land in Höhe von knapp 18 Mill. DM.

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