Erster deutscher WM-Sieg seit 1985
„Acker" erntet goldene Früchte

Bereits 200 m vor dem Ziel griff Ronny Ackermann die deutsche Fahne und fuhr jubelnd seinem größten Triumph entgegen: Mit dem WM-Sieg im Einzel-Wettbewerb der Nordischen Kombinierer trat der Oberhofer am Freitag in die Fußstapfen von Bundestrainer Hermann Weinbuch, der 1985 als letzter Deutscher Weltmeister geworden war.

HB/dpa VAL DI FIEMME. "Ich bin völlig überwältigt", sagte Ackermann nach dem Triumph und richtete einen Dank an seinen Vorgänger und Trainer: "Er hat großen Anteil an meinen Leistungen und daran, dass ich mich sportlich und persönlich weiterentwickelt habe." Ackermann selbst hat sich "einen Lebenstraum erfüllt, den ich von Kindheit an hatte".

Den Grundstein für den Erfolg hatte "Acker", wie der 25-Jährige im Team gerufen wird, am Vormittag beim Skispringen gelegt. Mit 101,5 und 101 m stand der Rotschopf in beiden Durchgängen die größte Weite und schuf sich damit ein dickes Polster für den 15-km-Langlauf. 30 Sekunden betrug sein Vorsprung auf Teamkollege Georg Hettich (Schonach-Rohrhardsberg), der mit 98,5 und 101 m ebenfalls glänzte, am Ende als Vierter aber knapp eine Medaille verpasste. Gar 2:06 Minuten lagen zwischen Ackermann und Olympiasieger Samppa Lajunen aus Finnland, der sich hinter dem Österreicher Felix Gottwald Bronze holte.

Trotz seines Vorsprungs ging Ackermann in der Loipe nicht auf Nummer sicher, sondern von Beginn an ein hohes Tempo. "Mein Ziel war, gleich eine hohe Geschwindigkeit zu gehen, um die anderen auf Distanz zu halten", beschrieb Ackermann seine Renntaktik. Leidtragender war Hettich, der bei Kilometer elf von Lajunen und Gottwald überspurtet wurde.

Schon nach der ersten Teildisziplin hatte Ackermann Grund zum Strahlen. "Das waren sehr gute Sprünge. Ich wusste, dass ich ein hohes Niveau habe. Dass es so deutlich wird, hätte ich aber nicht gedacht", meinte der Thüringer, der die gut vierstündige Pause bis zum Lauf "unheimlich nervös war und ständig zur Toilette musste". Nach einer großen Portion Spaghetti zum Mittag hatte sich Ackermann auf sein Hotel-Zimmer verzogen und sogar auf einen letzten Ski-Test verzichtet.

Der WM-Sieg ist die bisherige Krönung seiner Karriere, in der es seit vier Jahren stetig bergauf ging. In der Saison 1999/2000 beendete er mit seinem ersten Weltcupsieg eine 13-jährige Durststrecke der deutschen Kombinierer, in Lahti gewann er 2001 WM-Bronze. Nach zwei Silbermedaillen bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City holte er in der vergangenen Saison - 16 Jahre nach Bundestrainer Hermann Weinbuch - erstmals wieder die Kristallkugel für den Sieg im Gesamt-Weltcup nach Deutschland.

Wie gut er mittlerweile mit der Favoritenbürde umgehen kann, bewies die Tatsache, dass sich Ackermann auch von einem Malheur im Trainingslager in St. Moritz nicht beeindrucken ließ. Dort war ihm in der Vorwoche sein Lieblings-Sprungschuh gebrochen. Zwar gelang noch kurzfristig die Reparatur, einen letzten Belastungstest bestand die Fußbekleidung jedoch nicht. "Ich bin mit einem älteren Schuh gesprungen, der schon öfter geflickt werden musste", berichtete der Thüringer, der auf schnelle Autos und weite Flüge steht. Seine Wünsche für die Zukunft überraschen daher nicht: Die 300 km/h-Marke überschreiten und über 200 m springen.

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