Erster europäischer Tracking Stock unter Emissionskurs gerutscht
Paris fürchtet Rückschläge bei Medien-Aktien

Mit Hoffen und Bangen geht die Pariser Börse in die neue Handelswoche. Auf der einen Seite steht die Furcht vor neuen Rückschlägen bei der im Börsenbarometer Cac 40 stark repräsentierten Informations- und Kommunikationstechnikbranche. Auf der anderen Seite steht die Erwartung, dass sich die Pariser Börse von den Trends in den USA abkoppeln kann. Am vergangenen Freitag schloss der Cac 40 bei 6149,44 Punkten mit 1,37 % im Plus.

abo PARIS. Die Abkopplung von den Trends in Übersee könnte gelingen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die am Handel in den führenden französischen Werten stark beteiligten angelsächsischen Institutionen sich für ihr Anlageverhalten in Europa kurzfristig andere Ziele setzen als für ihre Investments in den USA. Genau danach sieht es angesichts der starken Kursschwankungen im US-Technologiesektor allerdings nicht aus. Marktbewegungen auszusitzen, die beispielsweise durch zweistellige Kurssprünge bei Microsoft ausgelöst werden, kann sich kein US-Fondsmanager leisten.

Doch hat man an der Seine durchaus auch Grund zum Optimismus. So ging Paris Bourse mit dem Telefontechnikkonzern Alcatel das Wagnis ein, als erste europäische Börse sogenannte Tracking Stock in den Handel zu bringen. Zwar sorgten negative Vorgaben aus den USA zunächst auch in Paris für sinkende Kurse bei den Technologie-Papieren. Doch während Alcatels führende Manager mit ihrem für Europa neuartigen Papier auf Werbetour gingen, gelang es dem Konzern, das geplante Volumen vollständig im Markt unterzubringen. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht: In der Zeichnungsfrist vom 28 September bis zum 19. Oktober diesen Jahres liefen weltweit 59 konkurrierende Kapitalmarkttransaktionen ab. Der Alcatel-Optronics-Deal war eine der wenigen, bei denen der Emittent seine Preisvorstellung durchsetzen konnte.

Im Umfeld der Platzierung war zu hören, dass sich insbesondere auch deutsche Konzerne für das Instrument Tracking stock interessieren könnten. Allerdings sind diese hier zu Lande rechtlich noch problematisch. Sie erlaubten "virtuelle Abspaltungen" von Unternehmenssparten, was besonders in stark von der Mitbestimmung geprägten Konzernen von Vorteil wäre.

Daher werden die Marktteilnehmer wohl nicht nur in Paris mit Argusaugen darüber wachen, wie sich Alcatels "actions reflets" entwickeln werden. Während der Zeichnungsphase hatten Analysten, etwa bei Simon de Broe in London, das Papier als gute Kaufgelegenheit gelobt. Bei diesen Tipps war berücksichtigt worden, dass die Geschäftsbereichsaktien im Wert nicht mit Stammaktien gleichgesetzt werden können. Den ersten Handelstag beschloss die Aktie mit 84,80 Euro leicht unter Emissionskurs.

Das steht in Kontrast zu starken Gewinnen bei anderen Technologieaktien. So stiegen France Télécom um 6,31 % auf 109,50 Euro , ST Microelectronics, mit mehr als fünf Millionen Stück Umsatzführer, lagen zum Schluss bei 59 Euro mit 4,42 % im Plus. Thomson Multimedia gewannen 4,22 % auf 53,15 Euro. Unter den kleineren Werten stiegen Liberty Surf um 8,99 % auf 13,21 Euro, Infogrames legten um 7,55 % auf 21,94 Euro zu und Ubi Soft kletterten um 7,39 % auf 39,40 Euro.

Der positive Wochenschluss ist Balsam für die Seele der geplagten Pariser Börsianer, die den Cac 40 in den letzten Tagen unter 6 000 Punkte fallen sahen. Nun scheint die Marke von 7 000 wieder ein realistisches Ziel zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%