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Erster frei gewählter Präsident Afghanistans vereidigt

Drei Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban ist Hamid Karsai als erster frei gewählter Präsident Afghanistans vereidigt worden. Die Amtseinführung stand unter dem Eindruck eines schweren Angriffs der Taliban im Osten des Landes in der Nacht zuvor.

dpa KABUL. Drei Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban ist Hamid Karsai als erster frei gewählter Präsident Afghanistans vereidigt worden. Die Amtseinführung stand unter dem Eindruck eines schweren Angriffs der Taliban im Osten des Landes in der Nacht zuvor.

Nach afghanischen Armeeangaben starben dabei mindestens sechs Rebellen und vier afghanische Soldaten. Der bisherige Übergangspräsident sagte in seiner Antrittsrede am Dienstag in Kabul: "Jetzt haben wir eine harte und dunkle Vergangenheit hinter uns gelassen, und heute öffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte." Karsai sagte, seine Regierung werde in den kommenden fünf Jahren den Drogenanbau unterbinden und die Milizen entwaffnen. Sie werde Armut und Korruption bekämpfen, die Verwaltung reformieren und die von mehr als zwei Jahrzehnten Krieg und Bürgerkrieg zerstörte Infrastruktur wieder aufbauen. Eine bedeutende Herausforderung sei zudem die auf April verschobene Parlamentswahl. Der Präsident betonte auch: "Unser Kampf gegen den Terrorismus ist noch nicht vorbei."

An der feierlichen Zeremonie im Präsidentenpalast zwei Monate nach der Wahl nahmen auch US-Vizepräsident Dick Cheney und der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld teil. Die Bundesregierung war durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Hans-Martin Bury, vertreten. Zahlreiche andere internationale Gäste waren angereist. In Kabul galten strengste Sicherheitsvorkehrungen.

Bury warnte in einem dpa-Gespräch, in Afghanistan gebe es weiter "signifikante Risiken - auch für unsere Soldaten dort". Ihr Einsatz sei ein unverzichtbarer Beitrag für Frieden und Freiheit. Bury sagte dem neuen Präsidenten weitere Unterstützung Deutschlands und der Internationalen Gemeinschaft zu. Der 46 Jahre alte Karsai hatte die Wahl am 9. Oktober im ersten Wahlgang mit 55,4 Prozent der Stimmen gewonnen - fast 40 Punkte mehr als der Zweitplatzierte. Die Wahl galt als Meilenstein im Friedens- und Wiederaufbauprozess des Landes.

Neben dem Präsidenten wurden am Dienstag auch seine beiden Stellvertreter, Ahmed Sia Massud and Mohammed Karim Chalili, vereidigt. Wie Karsai schworen die Vizepräsidenten auf den Koran, den Islam zu befolgen und die Umsetzung der Verfassung zu überwachen. Am 7. Dezember 2001 hatten die Taliban nach dem US-geführten Angriff auf Afghanistan in ihrer Hochburg Kandahar kapituliert. Karsai war seit dem Sturz der Taliban Übergangspräsident.

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