Erster gesicherter Fall gefährlicher Lungenentzündung: Diagnose: Schweres Akutes Atemwegssyndrom

Erster gesicherter Fall gefährlicher Lungenentzündung
Diagnose: Schweres Akutes Atemwegssyndrom

Der erste Verdachtsfall auf die mysteriöse asiatische Lungenentzündung in Deutschland hat sich nach Angaben der Frankfurter Universitätsklinik bestätigt.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. "Wir sind sicher, dass es das ist", sagte der Leiter der Frankfurter Isolierstation, Hans- Reinhard Brodt, am Dienstag. Der Arzt aus Singapur habe alle von der Weltgesundheitsorganisation angegebenen Symptome für das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS), das von einem unbekannten Erreger verursacht wird. Er hatte Kontakt zu Patienten, die er ohne Mundschutz behandelt. Inzwischen lägen auch "charakteristische Laborbefunde" vor.

Seit der Nacht zum Dienstag liegt auch die schwangere Frau des Arztes auf der Isolierstation. Am Wochenende war sie nur in Quarantäne gewesen. Am Montag hatte sie zunächst Fieber bekommen und dann weitere Symptome gezeigt. Wegen ihrer Schwangerschaft in der 13. Woche sei sie besonders schwer zu behandeln, sagte Brodt. Man habe bisher ihre Lunge nicht geröntgt und sie dürfe nur bestimmte Antibiotika bekommen. Ihr Mann werde derzeit mit einem Cocktail aus vier verschiedenen Antibiotika behandelt, berichtete Brodt. Der Arzt selbst wird die Krankheit nach Einschätzung des Frankfurter Kompetenzteams wohl überstehen. Er hatte am Dienstag erstmals kein Fieber mehr und seine Atemnot habe nicht mehr zugenommen. Als Experte für SARS habe der Arzt aus Singapur den behandelnden Ärzten bei seiner Einlieferung gesagt, wenn er den 13. Tag überstehe, komme er durch. "Er scheint wohl Recht zu behalten", sagte Brodt. "Morgen oder übermorgen ist er über den Berg." Die Schwiegermutter war am Dienstag ebenfalls auf dem Weg der Besserung. Sie hatte ohnehin weniger Krankheitssymptome entwickelt und litt nur einen Tag unter Fieber. Brodt war für die Geneseung der Frau zuversichtlich. Bei der 62-Jährigen könne man nach dem Kriterienkatalog der WHO gar nicht sicher sein, dass sie überhaupt mit dem SARS-Erreger infiziert wurde.

Bei dem Erreger könne es sich nach ersten Vermutungen um ein Virus aus der Gruppe der Paramyxoviren handeln. Die dieser Gruppe zählen unter anderem auch die Erreger der Masern, Mumps, Hundestaupe und der einer Lungenentzündung bei Mäusen. "Wir wissen, dass Paramyxoviren Lungenkrankheiten verursachen können", sagte Prof. Hans-Wilhelm Doerr, Leiter der Virologie am Frankfurter Universitätsklinikum. Es handle sich zwar nur um einen Verdacht, "aber wir haben eine erste Spur aufgenommen. Dennoch würden die Patienten sozusagen sicherheitshalber weiterhin mit Antibiotika behandelt, obwohl diese gegen Viren nichts ausrichten können.

Mit einem Flugblatt informiert das hessische Sozialministerium Fluggäste aus Asien über die Symptome der asiatischen Lungenentzündung. Der signalgelbe Zettel werde an der Passkontrolle auf dem Rhein-Main-Flughafen verteilt, kündigte das Ministerium am Dienstag in Frankfurt an. "Wenn Sie innerhalb einer Woche nach Rückkehr aus oben genannten Ländern grippeähnliche Beschwerden entwickeln, sollten Sie Kontakt mit einem Arzt aufnehmen", heißt es dort. Die genannten Länder sind China, Hongkong, Singapur, Thailand, Vietnam und auch Kanada. Allerdings wird in dem Flugblatt auch betont, dass sich in Asien bisher fast ausschließlich medizinisches Personal, Familienangehörige und andere enge Kontaktpersonen von Erkrankten angesteckt haben.

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