Erster Grand-Slam-Champion aus der Schweiz
Federer triumphiert in Wimbledon

Eidgenosse Roger Federer ist den brachialen Aufschlägen von Mark Philippoussis entkommen und hat in Wimbledon die Nachfolge des Australiers Lleyton Hewitt angetreten.

HB/dpa LONDON. Als erster Schweizer überhaupt triumphierte der 21-Jährige am Sonntag bei einem Grand-Slam-Turnier im Herrentennis und stürmte durch einen in jeder Beziehung verdienten 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3)-Erfolg an die Spitze des Champions Race, von der er den spanischen French-Open-Champion Juan Carlos Ferrero verdrängte. Für den Sieg bei den 117. All England Championships kassierte Sampras-Fan Federer 822 250 Euro - Becker- Verehrer Philippoussis musste sich mit der Hälfte begnügen.

Federer saß nach dem verwandelten Matchball auf seinem Stuhl und weinte vor Freude. Konzentriert bis in die Haarspitzen hatte der Halle-Sieger, der auch das zwölfte Rasenmatch seiner besten Saison gewann, den Kanonen-Aufschlags von "Rakete" Philippoussis Stand gehalten und servierte seinerseits Asse nach Bedarf. "Mark malträtiert den Ball mit brachialer Gewalt", sagte TV-Experte Boris Becker. Im Tiebreak des im ersten Satz auf hohem Niveau stehenden Duells "Präzision gegen Power" nutzte der Eidgenosse einen Doppelfehler seines Gegenübers, dem wie im letzten Satz im Tiebreak die Nerven einen Streich spielten.

Titelverteidigerin Serena Williams profitierte bei ihrem zweiten Wimbledonsieg von einer Verletzung ihrer Schwester Venus. Freuen konnte sie sich über den bitter-süßen 4:6, 6:4, 6:2-Erfolg in 2:03 Stunden nicht so recht. "Es ist schwer, gegen die eigene Schwester zu spielen, wenn es ihr nicht gut geht", sagte die 21-Jährige und fügte nach ihrem sechsten Grand-Slam-Erfolg hinzu: "Ich wusste, dass sie stark ist. Dass sie aber so stark ist, wusste ich bisher nicht. Venus ist ein großer Champion."

Den Titel aber holte die jüngere der Williams-Schwestern durch ein letztlich leichtes Spiel gegen eine humpelnde Venus, die wegen der lädierten Muskeln die Sterne nicht vom Himmel holen konnte. "Ich wollte die Leute nicht enttäuschen, deshalb habe ich gespielt", meinte die 23-Jährige, die mit einem Kraftakt einen 1:5-Rückstand im zweiten Satz aufholte, am großen Coup aber scheiterte. So wie Alexander Popp, der im Viertelfinal-Geduldsspiel gegen Philippoussis einen Meilenstein in seiner Karriere setzte. Trotz des bitteren Aus gegen einen im fünften Satz glücklicheren Gegner "küsste er das deutsche Herren-Tennis wach", wie Boris Becker meinte. "Ein bisschen traurig bin ich aber noch immer", gestand der Mannheimer am Samstag im ZDF-Sportstudio. "Das Halbfinale wäre drin gewesen."

Doch das verhinderte Philippoussis. Im Endspiel gegen Federer freilich war der einstige "Lebemann" mit seinem Latein am Ende. Zopfträger Federer, der sein Image als Strand-Junge pflegt, Sand aber nur am Meer liebt, dominierte die Partie mit präzisen Aufschlägen und beeindruckenden Returns. Eine echte Schwäche leistete er sich nicht und holte mit seinem insgesamt neunten Turniersieg nach 1:55 Stunden seinen ersten Grand-Slam-Titel.

"Der erste Titel war ein Traum", sagte Todd Woodbridge nach seinem achten Sieg im Doppel, mit dem der Australier den 98 Jahre alten Rekord der Brüder Hugh und Reggie Doherty egalisierte. 1993 war der 32-Jährige Teil des legendären Duos mit seinem Landsmann Mark Woodforde, der seine Karriere vor drei Jahre mit dem sechsten Pokal auf dem "Heiligen Rasen" beendet hatte. Mit seinem neuen Partner, dem Schweden Jonas Björkman, hatte Woodbridge schon im Vorjahr gesiegt. Nach dem neuerlichen 3:6, 6:3, 7:6 (7:4), 6:3-Triumph gegen das an eins gesetzte indisch-weißrussische Duo Mahesh Bhupathi/Max Mirnyi meinte er: "Woah, was heute passiert ist, kann ich nicht glauben."

Nicht weiter gekommen sind die Vertreter der Grand-Slam-Turniere und der Herren-Spielergewerkschaft ATP bei ihren Krisengesprächen hinter verschlossenen Türen. Die Spieler fordern weiter mehr Preisgeld, eine bessere Altersversorgung und mehr Werbung für ihren Sport. Sollten die Veranstalter nicht bereit sein, zusätzliche 50 Millionen Dollar von ihren Gewinnen auszuschütten, wollen die weltbesten Akteure die kommenden Grand-Slam-Turniere boykottieren. Das Grand-Slam-Komitee (GSC) nannte dieses Vorgehen "eine Belastung für alle weiteren Gespräche", die in Kürze folgen sollen.

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