Erster Olympiasieg seit 1994 - "Tiger" Schmitt sichert deutsches Gold
Deutsche Skispringer gewinnen Gold im Team-Wettbewerb

Sven Hannawald (Hinterzarten), Stephan Hocke (Oberhof), Michael Uhrmann (Rastbüchl) und Martin Schmitt (Furtwangen) siegten auf der Großschanze mit einem Zehntelpunkt Vorsprung vor Finnland und Slowenien.

sid PARK CITY. "Tiger" Martin Schmitt hat dem deutschen Springerteam mit einem grandiosen Satz im allerletzten Durchgang des Mannschafts-Wettbewerbs von der Großschanze mit einem Zehntelpunkt Vorsprung auf Finnland den Olympiasieg beschert. Sven Hannawald (Hinterzarten/123 + 120,5 Meter), Stephan Hocke (Oberhof/118,5 + 119,5), Michael Uhrmann (Rastbüchl/128 + 125) und Schmitt (131,5 + 123,5) gewannen damit das erste Mannschaftsgold seit Jens 1994 in Lillehammer. Bronze ging an Slowenien. Zuvor hatte Hannawald Silber auf der Normalschanze gewonnen und die zweite Medaille auf der Großschanze wegen eines Sturzes verpasst.

Vor dem letzten Springer jeder Mannschaft war dem mit zwei souveränen Sätzen überzeugenden Michael Uhrmann der Ausgang des Wettbewerbs bereits völlig klar: "Natürlich schaffen wir das. Martin ist seit Sonntag wieder in einer Super-Form." Der so Gelobte rechtfertigte die in ihn gesteckten Erwartungen. Cool bis ans Herz ging Schmitt zum letzten Sprung in die Spur ab und rettete den goldenen Traum der Deutschen souverän ins Ziel. Nach seinem letzten Satz ging Schmitt in die Knie, schlug die Hände vor's Gesicht und wartete mit bangem Blick auf die Wertung. Der anschließende Jubel im deutschen Team kannte keine Grenzen.

Sven Hannawald, der Überflieger der Saison, war mit seiner Leistung nicht zufrieden. "Ich habe nicht hundertprozentig gezeigt, was ich kann", gab der Tourneesieger zu: "Ich war nicht so frei im Kopf wegen der Verletzung, und ich bin eben auch keine Maschine, die das immer einfach so wegsteckt." Youngster Hocke war "ganz zufrieden mit dem Resultat, denn der Puls war schon etwas höher als normal".

Entscheidenden Anteil am Erfolg hatte Teamarzt Ernst Jakob, der die beiden "Patienten" Hannawald und Schmitt wieder halbwegs fit gemacht hatte. Hannawald wurde am Sonntag fast zwei Stunden lang mit Lymphdrainagen, Elektrotherapie und Ultraschall behandelt, um seine Verhärtung im rechten Schienenbeinmuskel zu kurieren. Schmitts entzündete Patellasehne im linken Knie wurde mit Ultraschall und Elektrotherapie "beruhigt".

"Der Ski kommt den Bedingungen hier einfach mehr entgegen, er ist halt lebendiger", begründete Schmitt seinen kurzfristigen Materialwechsel. Am Donnerstag waren die Bretter im Tigerdesign in Park City offiziell vorgestellt worden, am Sonntag probierte sie Schmitt zum ersten Mal im letzten Trainingssprung, am Montag trugen sie ihn zurück in alte Höhen.

Sven Hannawald eröffnete den Wettbewerb für Deutschland und verlor als Zweiter gleich 4,9 Punkte auf den Finnen Matti Hautamäki. Stephan Hocke machte den Rückstand auf das Suomi-Team bis auf ein Zehntel wieder wett, aber im Anschluss brachte Andreas Widhölzl die Österreicher mit einem 120-Meter-Flug mit sechs Zehnteln Vorsprung vor den drittplatzierten Deutschen in Führung.

Ein Traumsprung von Robert Kranjec auf 133 Meter im direkten Duell gegen den fünf Meter kürzer fliegenden Michael Uhrmann brachte die Slowenen mit 4,6 Punkten Vorsprung vor Deutschland in Führung. Dann kam Martin Schmitt, segelte auf traumhafte 131,5 Meter und riss die Fäuste in den Himmel: "Es war aber nicht nur der Tigerski, ich hoffe schon, dass ich auch ein bisschen dazu beigetragen habe." Ganz gut gepasst habe der Sprung: "Aber ich springe hier ja nicht nur für mich, sondern für die Mannschaft." Bei Halbzeit führte Deutschland mit 498,8 Punkten vor Finnland (489, 1) und Slowenien (483,9).

Das deutsche Team hatte sich am Vortag im Quartier "Bear Hollow" noch gemeinsam das Eishockey-Match Deutschland gegen Kanada angeschaut. Nach einer unruhigen Nacht klingelte um sechs der Wecker. Einen "Goldschwur" hatten die Vier nicht abgelegt. Schmitt: "Man kann Gold nicht zwingen. Das kommt oder kommt nicht."

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