Erster Prozess um die Anschläge vom 11. September
Motassadek gesteht Aufenthalt in El Kaida-Camp

Im weltweit ersten Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 hat der mutmaßliche Terror-Helfer Mounir el Motassadek einen Aufenthalt in einem El Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan zugegeben.

HB/dpa HAMBURG. Gleichzeitig bestritt der 28-jährige Marokkaner vor dem Hamburger Oberlandesgericht jede Beteiligung an der Vorbereitung der Anschläge in den USA und auch seine angebliche Einbindung in das Terrornetzwerk El Kaida. "Gewalt kann nie etwas lösen", sagte der Angeklagte am Dienstag zum Auftakt des von hohen Sicherheitsmaßnahmen begleiteten Prozesses.

Die Bundesanwaltschaft hatte dem mutmaßlichen El Kaida-Terroristen in ihrer Anklageverlesung vorgeworfen, "Statthalter" der Terrorzelle um den Todespiloten Mohammed Atta gewesen zu sein. "Er wirkte an den Plänen der Attentäter mit und sorgte für eine ausreichende Finanzausstattung der Gruppe", sagte einer von drei im Prozess vertretenen Bundesanwälten. Motassadek muss sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3 000 Fällen verantworten.

Die Anklagevertreter teilten in der Verhandlung mit, dass die US- Behörden die Zahl der Terror-Opfer auf 3 045 nach unten korrigiert haben. Ursprünglich war Motassadek wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 3 116 Fällen angeklagt worden.

Motassadek gab vor Gericht erstmals zu, im Sommer 2000 zu einer zwei bis dreiwöchigen Schießausbildung in Afghanistan gewesen zu sein. Bisher hatte er entsprechende Zeugenaussagen bestritten und erklärt, er sei lediglich im pakistanischen Karatschi gewesen, um Moscheen zu besichtigen. Die Ausbildung an einer Kalaschnikow- Maschinenpistole in einem Lager bei Kandahar sei aber nichts besonderes. "Das ist wie die Bundeswehr hier", meinte der Marokkaner. Nach seinen Angaben sei Osama bin Laden für das Camp zuständig gewesen, er habe ihn während seines Afghanistan-Aufenthalts aber nicht getroffen. Die Schießausbildung habe er bisher verschwiegen, "aus Sorge, dass es als belastend gewertet werden könnte".

Motassadeks Verteidiger Hartmut Jacobi sagte, es handele sich bei diesen Äußerungen lediglich um "Tatsachenfeststellungen ohne jeden Beweiswert". Tausende wären in jedem Jahr in diese Lager gepilgert, ohne sich anschließend terroristisch zu betätigen. Jacobi kritisierte eine "öffentliche Vorverurteilung" seines Mandanten.

Bei der Befragung durch den Vorsitzenden Richter gab Motassadek an, er sei Ende 1993 nach Deutschland gekommen. Seit 1995 studierte er Elektrotechnik an der TU Hamburg-Harburg, wo er er auch Atta kennen gelernt habe. Atta gilt als Kopf der Gruppe der Todesflieger und der Hamburger Terrorzelle. Er soll eines der entführten Flugzeuge in das World Trade Center in New York gesteuert haben.

Motassadek sagte ferner aus, er habe sich mit Atta öfter in einer Moschee zu Gesprächen getroffen. Gewalt oder Terror als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele habe dabei nie eine Rolle gespielt, beteuerte Motassadek. "Atta hatte keine Macht über andere, ich habe nie gehört, dass er anderen Befehle gegeben hat. Er wurde wegen seines Verhaltens respektiert", sagte der Angeklagte. "Ich kann nicht glauben, dass Atta die Anschläge begangen hat".

Bereits gut vier Stunden vor Prozessbeginn hatten Gerichtsreporter aus dem In- und Ausland vor dem Strafjustizgebäude gewartet, um einen der knappen Presseplätze im extra umgebauten Saal 237 im Sicherheitstrakt des Gebäudes zu bekommen. Jeder der rund 100 Berichterstatter wurde gründlich durchsucht. Die Polizei hatte die Straßen vor dem Gerichtsgebäude für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zahlreiche Polizisten saßen im Verhandlungssaal oder in Nachbarräumen in Bereitschaft, um einen störungsfreien Prozessverlauf zu gewährleisten.

Zum Ende des ersten Verhandlungstages gab es einen Zwischenfall. Als die meisten Zuhörer bereits den Zuschauerbereich hinter einer Panzerglasscheibe verlassen hatten, winkten vier Personen dem Angeklagten zu. Motassadek winkte lachend zurück. Die vier wurden sofort von Polizisten überprüft. Der Prozess wird an diesem Mittwoch mit der weiteren Vernehmung des Angeklagten fortgesetzt.

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