Erster Transport ins Ausland seit 1998
Atommüll geht am Dienstag auf die Reise

Der geplante Atommülltransport vom badischen Atomkraftwerk Philippsburg nach La Hague in Frankreich dürfte wie vorgesehen am Dienstag über die Bühne gehen. Trotz eines Streiks der französischen Eisenbahner hätten die Behörden des Nachbarlandes grünes Licht gegeben, teilte die Betreiberfirma EnBW-Kraftwerke AG am Freitag mit.

dpa KARLSRUHE/HANNOVER/PARIS. Der französische Atomkonzern Cogema bestätigte zugleich, der Atomkonvoi werde am Mittwoch im Bahnhof von Valognes in Nordwestfrankreich erwartet. Cogema betreibt die Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague.

Die Polizei geht ebenso von einer planmäßigen Abfahrt des Atomzuges aus, wie es aus dem Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen hieß. Der Streik bei der französischen Bahn hatte in den vergangenen Tagen auch den Zugverkehr nach Deutschland behindert.

Erster Atommülltransport ins Ausland seit 1998

Es handelt sich um den ersten Atommülltransport aus einem deutschen Atomkraftwerk zur Wiederaufarbeitung ins Ausland seit 1998. Atomkraftgegner planen von Sonntag an massive Proteste. Den Auftakt bildet am Sonntagnachmittag eine Demonstration in Philippsburg.

Drei Atommüllbehälter aus Philippsburg sollen am frühen Dienstagabend in rheinland-pfälzischen Wörth mit anderem Atommüll aus Hessen und Bayern zusammengekoppelt und gemeinsam über Lauterburg nach La Hague gebracht werden.

Beim ersten Rücktransport von Atommüll aus Frankreich in das Zwischenlager Gorleben seit vier Jahren hatten sich in der vorigen Woche Tausende Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

Die niedersächsische Landesregierung befürchtet wegen der Castor-Transporte nach Gorleben in den nächsten Jahren Kosten bis zu 700 Mill. DM für das Bundesland, wie Innenminister Heiner Bartling (SPD) der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sagte. Er bedauerte die Pläne der Atomindustrie, schon im Herbst weiteren Atommüll aus Frankreich nach Gorleben zu schicken.

Panne bei der Einlagerung der Castoren in Gorleben

Bei der Einlagerung der sechs Castor-Behälter in Gorleben gab es eine Panne. Aus der Unterseite eines Behälter wurde warme Luft abgeblasen, vermutlich weil eine Bodenplatte zu fest angeschraubt war und die Abwärme aus dem Castor nicht kontinuierlich entweichen konnte. Bei dem meldepflichtigen Vorkommnis sei aber keine Radioaktivität freigesetzt worden, berichtete das niedersächsische Umweltministerium.

Im einzigen deutschen Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben (Sachsen-Anhalt) ist die Sicherung mehrerer einsturzgefährdeter Stollen abgeschlossen. Das teilte das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter am Freitag mit. Um Deckeneinstürze im Südfeld des unterirdischen Salzstocks zu verhindern, waren die betroffenen Hohlräume seit knapp einem halben Jahr mit Salzmaterial aufgefüllt worden. In den Kammern lagern rund 10 000 Kubikmeter Atommüll.

Tausende von Einsprüchen gegen Brennstäbe-Zwischenlagerung in Biblis

Gegen die geplante Zwischenlagerung von abgebrannten Brennstäbe im hessischen Atomkraftwerk Biblis haben mehrere tausend Bürger Einwendungen erhoben. Volker Schäfer vom Bundesamt für Strahlenschutz erläuterte, gegen ein "Interimslager" für 28 Castorbehälter gebe es 4 100 Einsprüche. Weitere 5 900 Einwendungen richteten sich gegen das dezentrale Zwischenlager für bis zu 150 Castoren, in dem in einer festen Halle bis zu 30 Jahre lang abgebrannte Brennstäbe gelagert werden sollen.

Die Biblis-Betreiberfirma RWE Power AG (Essen) plant die Lager unter anderem, um Atomtransporte aus Biblis bis zum Ende der Laufzeit beider Reaktoren weitgehend zu vermeiden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%