Erster Wagen noch im Testlabor
Zweiter verdächtiger Lkw im Irak gefunden

US-Streitkräfte haben im Nordirak einen zweiten Lastwagen gefunden, der als mobiles Biowaffenlabor gebraucht worden sein könnte. Die Untersuchungen seien im Gange, teilte ein Militärsprecher am Dienstag in Bagdad mit. Bislang sind im Irak keine Massenvernichtungswaffen entdeckt worden. Die Suche kann nach Einschätzung des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London noch Monate dauern.

HB/dpa WASHINGTON/BAGDAD/LONDON. Nach Angaben des amerikanischen Militärsprechers wurde der Lastwagen am Samstag in der Nähe der Stadt Mosul gefunden. Es könne sich um ein zweites mobiles Biowaffenlabor handeln. Ein erster verdächtiger Lkw war vergangene Woche sichergestellt worden. Regierungssprecher Ari Fleischer, der mit Präsident George W. Bush im Westen der USA unterwegs ist, um für Steuersenkungen zu werben, bestätigte den Fund. "Es gibt neue Anzeichen für ein zweites mobiles Biowaffenlabor. Er wird wie der erste gründlich untersucht."

Der erste Lastwagen ist noch im Testlabor. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Biologische oder chemische Kampfstoffe waren nach ersten Berichten darin nicht entdeckt worden. Die Suche nach den Waffen ist nach Angaben des Londoner Strategie-Instituts schwierig. "Die große Überraschung ist, dass bisher noch keine chemischen Kampfstoffe gefunden wurden", sagte IISS-Experte Gary Seymor bei der Vorlage des Jahresberichts.

Noch stehe die Frage im Raum, warum das Regime Saddam Husseins die UN-Waffeninspekteure behinderte, als sich die Möglichkeit eines US- Einmarsches bereits abzeichnete. Dies sei entweder ein schwerer diplomatischer Fehler gewesen, oder ein Hinweis auf geheime Waffenprogramme. In dem Fall würden Beweise dafür gefunden, sagte der Experte voraus.

Die USA und ihre Verbündeten seien nicht genügend darauf vorbereitet gewesen, eine politische Rolle im Irak zu übernehmen, kritisierte IISS-Direktor John Chipman. Auch hätten die USA nicht ausreichend für ihre Außenpolitik geworben, "eine Praxis, die das Gefühl bekräftigt, dass US-Sicherheitspolitik ohne Rücksicht auf andere Meinungen gemacht wird".

Trotzdem unterstütze das IISS den von den Amerikanern geführten Feldzug im Irak. Im Licht der Selbstdarstellung Saddams als Führer der arabischen Welt und seines Strebens nach Massenvernichtungswaffen sei ein "erneuter Krieg mit dem Irak unvermeidbar gewesen", sagte Chipman. Die von Bush im vergangenen Jahr proklamierten Ziele, in der Region für Recht und Ordnung sowie freie Meinungsäußerung und religiöse Toleranz zu sorgen, seien "kühn und löblich". Das 1958 gegründete IISS gilt als eines der renommiertesten Militärforschungsinstitute der Welt.

In der Nähe der südirakischen Stadt Basra wurde unterdessen nach einem Bericht der britischen BBC ein Massengrab mit mehr als 120 Leichen gefunden. Seit Sonntag seien die Überreste von 126 Menschen ausgegraben worden, hieß es. Nach den Angaben handelt es sich um eines der größten im Süden des Landes gefunden Massengräber. Drei Leichen seien identifiziert worden. Es handele sich um schiitische Moslems, die 1999 wegen ihrer Unterstützung für den später ermordeten Geistlichen Mohammed Sadek el Sadr hingerichtet worden seien. Es gibt Indizien, dass viele der Ermordeten mit gefesselten Händen und verbundenen Augen in das Grab geworfen worden waren.

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