Erster Welt-Toilettengipfel tagt im sauberen Singapur
Toiletten-Experten fordern "klo-bale" Kultur

Für Schweigsamkeit zum Thema "Stilles Örtchen" sieht Jack Sim keinen Grund. "Wenn jeder sechs Mal am Tag dorthin geht, warum sollte man nicht darüber reden?", findet der Präsident von Singapurs Toilettenbetreiber-Verband.

dpa/rtr SINGAPUR. Umso mehr, als nach seiner Meinung der Zustand der globalen Klo-Kultur eher notdürftig ist: Zu wenige Toiletten für zu viele Menschen gebe es, und die seien auch noch meist unansehnlich oder einfach verdreckt. Doch glaubt Sim nun eine erdumspannende "Toiletten-Bewegung" auf dem Vormarsch. Seinem Ruf zum "Ersten Welt-Toilettengipfel" in Singapur folgten über 100 Fachleute aus 17 Ländern, die seit Montag über "Unsere Toiletten - die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft" beraten.

Dass die Ortswahl der Expertensitzung auf den reichen wie strengen Stadtstaat fiel, liegt nahe. Wer nach dem Gang auf den öffentlichen Lokus nicht abzieht, riskiert eine Geldstrafe von umgerechnet 600 DM. "Singapur ist eine der saubersten Städte der Welt. Wenn nicht hier, wo dann?", fragt Konferenzchef Sim.

Indes drängt es anderswo: 40 % der Weltbevölkerung haben nach offiziellen Daten keine angemessen sanitären Einrichtungen, mehr als drei viertel davon leben in Asien. Dies führe zur Verbreitung von Krankheiten und verursache jährlich den Tod von zwei Millionen Menschen, sagen Experten. Allein in Indien suchten rund 700 Millionen Menschen Erleichterung auf Wiesen und an Mauern.

Nach wie vor sei die Ausstattung von Damen- im Verhältnis zu Herrentoiletten fast diskriminierend, sagt Sim. "Da kommen auf sieben Urinale für Männer oft nur drei Kabinen für Frauen. Das ist nicht gerecht." Und: "Die Leute müssen sich für ihr Recht auf bessere Toiletten erheben."

Einiges sei dennoch schon erreicht, ist sich Sim sicher. So seien Finnlands Bemühungen um die naturnahe Toilette lobenswert, Taiwan habe sich um die Erdbebensicherheit seiner Aborte verdient gemacht, und Südkorea baue inzwischen so hübsche Häuschen, "dass man darin praktisch auch Tee trinken könnte". In Singapur selbst wird jedes Jahr das schönste Klo der Insel gekürt.

"Der Gang zur Toilette ist ein Stück Kultur, wie Essen oder Anziehen." Kang Seok-nam, Generalsekretär der Initiative "Saubere Toiletten für Korea", sieht das ähnlich: "Die Toilette muss ein kreativer Ort sein."

Eine Haltung, die nach Sims Meinung aber noch zu wenige teilen. "Die Leute haben sich offenbar bereits daran gewöhnt, dass Toiletten schmutzig sind. Man redet schon gar nicht mehr darüber", klagt er. Umso wichtiger sei es, schon Schulkindern Anstand auf dem Abtritt beizubringen. Auch gebe es noch manche kulturelle Hürde.

Japanerinnen etwa ließen drei Mal mehr Wasser durch die Spülung rauschen als ihre männlichen Landsleute, weil sie so aus Scham Körpergeräusche zu übertönen suchten, berichten Konferenz- Teilnehmer. Zudem sei der traditionelle Verzicht vieler Moslems auf Toilettenpapier bisweilen ein Hygieneproblem. Und Singapur kämpft dagegen, dass mancher, der nur Stehtoiletten gewöhnt ist, schon mal auf die Brille klettert.

Mit Blick auf den weltweiten Austausch zum Wohle des WCs setzt Jack Sim große Erwartungen auf die in Gründung befindliche WTO, womit "Welt-Toilettenorganisation" gemeint ist, nicht das Handelsforum. Auf Mitglieder aus etwa 30 Ländern hoffe er, eine Partnerorganisation in Deutschland werde noch gesucht. "Das Ziel ist einfach: Die Menschen sollen von der Toilette kommen und glücklich sein", sagt Sim.

"Bis jetzt ist dieses Themengebiet sehr stark vernachlässigt worden", sagte Singapurs Umweltminister Lim Swee Say am Montag zu Beginn des zweitägigen Gipfels.

Die auch im Internet vertretene Organisation versteht sich als Forum für Forscher, Designer, Hersteller und Verkäufer von Toiletten. Auf der am Dienstag in Singapur beginnenden viertägigen Messe "Restroom Asia 2001" sind die jüngsten technischen Errungenschaften der der Toilettenentwicklung zu sehen.

Gegründet wurde die Welt-Toiletten-Organisation nach eigenen Angaben von fünf asiatischen Vereinen. Inzwischen traten auch Vereinigungen aus den USA und mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, bei. Ihren Sitz hat die Organisation in Singapur, das sich selbst in einer Vorreiterrolle sieht. Der südostasiatische Staat stellte mehrere Millionen DM für die Modernisierung öffentlicher Toiletten zur Verfügung.

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