„Erstes Abtasten“ zwischen Banken und Medienkonzern
Krisengipfel bei Kirch ohne schnelle Lösung

Beim Arbeitstreffen zwischen den Gläubigerbanken und den Sanierungsberatern der Kirch-Gruppe gab es noch keine Lösung. Insider sprachen am Montag von einem "ersten Abtasten".

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Sanierung der mit mindestens 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Kirch-Gruppe ist angelaufen. Am Montag haben sich Vertreter der Gläubigerbanken und Kirchs Vize Dieter Hahn in München getroffen, um über Auswege aus der schweren Finanzkrise der Mediengruppe zu beraten. Ein kompletter Sanierungsplan ist aber offenbar noch nicht zu erwarten. Ein Kirch-Insider sprach von einem "ersten Abtasten".

"Es gibt kein fertiges Konzept, sondern es werden Vorschläge vorgestellt", sagte er. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Wolfgang van Betteray, Chef-Berater Kirchs, hat den Gläubigerbanken - darunter Hypo-Vereinsbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank und DZ-Bank - Vorschläge unterbreitet, wie es mit dem Medienkonzern weitergehen soll.

Insider verweisen darauf, dass Betteray bisher nur knapp zwei Wochen Zeit für Sanierungsideen hatte. Deshalb gehe man davon aus, dass eine umfassende Lösung der komplexen Finanzprobleme noch "mindestens zwei bis drei Wochen" brauche. Größtes Problem ist das Bezahlfernsehen Premiere, das täglich Verluste von 2 Mill. Euro produziert.

Bei dem Treffen in Kirchs Konzernzentrale im Münchner Vorort Ismaning war auch der neue Premiere-Chef Georg Kofler eingeladen. Er sollte sein Konzept zur Rettung des Pay-TV vorstellen. In der vergangenen Woche hatte der 44-jährige frühere Pro-Sieben-Chef eine Allianz mit der Telekomfirma Arcor über eine Videothek im Internet vereinbart.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" wollen die Banken die von Betteray vorgelegte Übersicht zu Kirchs Imperium aus 120 Firmen als Grundlage für das weitere Vorgehen nutzen. Von den Ergebnissen der Gespräche wird es abhängen, ob die von der Hypo-Vereinsbank angestrebte Politik der Stabilisierung Erfolg haben wird. Brancheninsider gehen aber davon aus, dass beispielsweise die Aufgabe der Ballungsraumsender in München, Berlin und Hamburg zur Rettung nicht ausreichen wird.

Deutsche Bank und Dresdner Bank können einem Rettungsplan relativ gelassen entgegen sehen. Denn sie haben als Sicherheit für ihre Kredite die 40 %-Beteiligungen am Axel Springer Verlag und dem spanischen TV-Sender Telecinco. Es sind vor allem Schuldner wie DZ-Bank und Bayerische Landesbank, die um ihr Geld bangen - ihre Darlehen sind nur mit Filmrechten gesichert. Deren Bewertung gilt in der Branche als ausgesprochen schwierig. Die Filmbibliothek von Leo Kirch umfasst 63 000 Stunden Programm, davon 20 000 Spielfilme. Allein bei der genossenschaftlichen DZ-Bank steht Kirch mit 350 Mill. Euro in der Kreide.

Größter Kreditgeber ist die Bayerische Landesbank mit schätzungsweise 1,9 Mrd. Euro. Im Bayerischen Landtag stellte am Montag die Fraktion der Grünen einen Dringlichkeitsantrag, um die Konsequenzen aus einem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe aufzuzeigen. "Wir wollen wissen, welche Risiken Bayern durch eine mögliche Kirch-Pleite drohen", sagte Grünen-Pressesprecherin Simone Paulmichl. Die Oppositionspartei kritisiert insbesondere die großzügige Kreditvergabe durch die Landesbank an Kirch.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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