Erstes Ergebnis der Blutproben am Samstag erwartet
Bauernhof in Nordrhein-Westfalen unter Seuchen-Verdacht

Der Streit um flächendeckende MKS-Schutz-Impfungen setzt sich fort.

ap KLEVE. Nur 20 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt steht in Nordrhein-Westfalen ein Schweinemastbetrieb unter Verdacht auf Maul- und Klauenseuche. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde mit der Schlachtung der 700 Tiere noch am Samstag begonnen, teilte die Kreisverwaltung am Freitag mit. Das Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf bestritt dagegen einen Verdacht auf Ausbruch der Seuche. Unterdessen sprachen sich auch Verbraucherschützer für eine flächendeckende Impfung aus.

Die Proben würden derzeit in der Bundesanstalt für Viruserkrankungen für Tiere in Tübingen untersucht, sagte der Sprecher der Kreisverwaltung Kleve, Eduard Großkämper. Mit ersten Ergebnissen werde am Samstagvormittag gerechnet, die endgültige Nachricht werde aber erst am Montag eintreffen. Bei einer Bestätigung müsse ein Sperrbezirk von drei Kilometern rund um das Gehöft eingerichtet werden. Dann seien 17 000 Tiere von 64 Bauernhöfen von einem Transportverbot betroffen.

Der Sprecher des Düsseldorfer Ministeriums, Leo Bosten, sagte dagegen lediglich, einem Tierarzt sei am Donnerstag etwas nicht ganz in Ordnung vorgekommen, woraufhin er den Amtstierarzt verständigt habe. Dieser habe bei dem fraglichen Bestand keine Anzeichen von MKS gefunden.

Unterdessen sprach sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände für eine flächendeckende Impfung von Tieren aus. Das sinnlose Töten müsse ein Ende haben, teilte der Verband mit. Zudem sei eine Impfung billiger: Die Impfung würde in der Europäischen Union insgesamt eine Milliarde Mark (rund 500 Mill. DM) kosten. Dagegen beliefen sich alleine die Folgeschäden in England bislang auf bis zu zwölf Mrd. DM (rund sechs Mrd. Euro).

Kritik an Künast

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke warf seiner Nachfolgerin Renate Künast eine "Politik des Unterlassens und Nichtstuns" vor. Funke sagte laut "Neuer Osnabrücker Zeitung", wenn er das Ressort noch führen würde, hätte er längst einen Antrag für eine flächendeckende Impfung der Tiere gestellt.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, nannte die Kritik "stillos". Flächendeckende Impfungen seien "sehr problematisch", weil auch damit die Ausbreitung des Virus nicht unterbunden werden könne. Zudem würden die Exportmärkte zusammenbrechen.

Die hessische Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn warnte vor Reisen in die betroffenen Gebiete. Die Gefahr einer Einschleppung des Virus sei zu groß, teilte die CDU-Politikerin mit. Falls sich Reisen nicht vermeiden ließen, sollten städtische Gebiete vorgezogen und keine Lebensmittel mitgebracht werden. Nach der Rückkehr sollten sich Urlauber drei Wochen von Klauentieren fern halten.

In Bayern wurden zum Schutz vor einer Übertragung der Maul- und Klauenseuche an Autobahnraststätten und Parkplätzen spezielle Abfall-Container aufgestellt, in die Reisende aus Ländern mit bestätigten MKS-Fällen Lebensmittelreste tierischer Herkunft werfen sollen. Zudem sollen an bayerischen Flughäfen Informationsblätter verteilt werden, die Reisende dazu auffordern, sich beim Zoll zu melden, wenn sie Lebensmittel tierischer Herkunft mitgebracht hätten.

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