Erstes Interview
Milosevic hat reines Gewissen

Reuters BELGRAD. Erstmals seit seinem Sturz am 5. Oktober hat der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic sich in einem Interview in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Milosevic sagte in dem am Dienstag vorab veröffentlichten Gespräch, er habe ein reines Gewissen und erkenne das Internationale Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag, das ihn wegen Völkermords angeklagt hat, nicht an. Das zweistündige Interview sollte am Abend vom privaten serbischen Fernsehsender Palma-TV ausgestrahlt werden. Den Volksaufstand vom Oktober, der den damaligen Oppositionschef Vojislav Kostunica an die Macht brachte, nannte Milosevic einen Staatsstreich.

Der auf einem schwarzen Leder-Sofa sitzende und entspannt wirkende Milosevic sagte zu seiner jahrzehntelangen Herrschaft in Serbien und Jugoslawien, die dem Balkan vier Kriege brachte: "Ich kann ruhig schlafen und mein Gewissen ist vollständig rein." Er lobte den serbischen Milizführer Arkan, der ihm treu zur Seite stand und im Januar in Belgrad ermordet worden war, als Patriot und wob die Tat in eine Verschwörungstheorie ein. Als Präsident habe er selbst "einen Kampf zur Erhaltung des Friedens" geführt, sagte Milosevic, der mittlerweile erneut zum Chef der Sozialistischen Partei Serbiens gewählt worden ist und bei den Parlamentswahlen in Serbien am 23. Dezember auf eine Rückkehr in die Politik hofft. Doch Umfragen sagen den Sozialisten eine Niederlage voraus. Gute Chancen auf einen Sieg hat Kostunica mit seinem demokratischen Bündnis DOS.

Zu Kostunica sagte Milosevic, es sei noch zu früh, seine Präsidentschaft zu bewerten. Er habe aber Zweifel daran, ob Kostunica die September-Wahlen gewonnen habe. Doch habe er eine entsprechende Entscheidung des Verfassungsgerichts akzeptiert, um "als jemand zu gelten, der sich letztendlich streng an den Buchstaben des Gesetzes hält." Er hatte zuvor bereits Kostunica vorgeworfen, vom Ausland bezahlt worden zu sein. Zudem verteidigte Milosevic seinen Sohn, dem vorgeworfen wird,in dunkle Geschäfte der organisierten Kriminalität verwickelt zu sein. Sein Sohn habe nichts Falsches getan und die Ankläger entbehrten "jeder menschlichen Würde".

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