Erstes Interview zu Levy-Affäre bringt wenig Aufklärung
US-Abgeordneter bricht Schweigen über Praktikantin

Nach monatelangem Rätselraten über sein Verhältnis zu der vermissten Praktikantin Chandra Levy hat der US-Abgeordnete Gary Condit sein Schweigen gebrochen. In seinem ersten öffentlichen Interview zu der Affäre bestritt der 53-Jährige am Donnerstagabend (Ortszeit) im Fernsehsender ABC, etwas mit dem spurlosen Verschwinden der 24-Jährigen zu tun zu haben.

afp WASHINGTON. Der verheiratete Familienvater räumte ein, fünf Monate lang «eine enge private Beziehung» zu Levy unterhalten zu haben. Er weigerte sich aber, "aus Respekt für meine eigene und die Familie Levys" diese Beziehung näher zu beschreiben. Condit hatte am Donnerstag in einem Brief an seine kalifornische Wählerschaft erklärt, er wolle sich der öffentlichen Meinung stellen. Bislang hatte der Politiker jede öffentliche Stellungnahme zu seiner Beziehung mit der Ende April verschwundenen Frau abgelehnt.

Mit seinem lange erwarteten Medienauftritt brachte Condit allerdings nur wenig Licht in die Affäre. "Ich glaube, es ist das Beste, wenn ich nicht ins Detail gehe", war sein häufigster Satz in dem zur besten Sendezeit ausgestrahlten Interview. "Ich bin seit 34 Jahren verheiratet und kein perfekter Mann", sagte der Politiker. "Ich habe meine Fehler gemacht." Medienberichte, er habe in Befragungen durch die Polizei eine sexuelle Beziehung zu der Praktikantin eingeräumt, wollte Condit nicht kommentieren. Obwohl die Polizei seine Wohnung durchsuchte und ihn bislang vier Mal vorlud, gilt der demokratische Abgeordnete weiterhin lediglich als Zeuge in dem Fall. Offiziell steht er nicht unter Verdacht, an einem möglichen Verbrechen beteiligt zu sein.

Vorwürfe der Behörden, er behindere die Ermittlungen, wies Condit zurück. Mit der Polizei habe er "von Beginn an zusammengearbeitet, um Chandra wiederzufinden." Auch die Anschuldigungen von Levys Eltern, er habe ihre Tochter über seine Gefühle getäuscht, ließ Condit nicht gelten. "Ich habe Frau Levy nie angelogen. Ich war nicht in sie verliebt." Während ihrer Beziehung hätten sie mehrmals in der Woche längere Gespräche geführt. Die Praktikantin habe einen Job in einer US-Geheimdienstbehörde gesucht, erklärte Condit. Der kalifornische Abgeordnete, der 1989 zum ersten Mal ins Repräsentantenhaus gewählt wurde, sitzt im parlamentarischen Geheimdienstausschuss.

Levy war im vergangenen Jahr für ein Praktikum in die Hauptstadt Washington gekommen und hatte bei Condit gearbeitet. Nach Ende ihres Praktikums wurde sie zuletzt am 30. April in ihrem Fitnessclub gesehen, seitdem ist Levy spurlos verschwunden. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. Obwohl die Beamten Parks und Gebäude durchsuchten und Verwandte, Freunde und Taxifahrer befragten, fehlt noch immer jede Spur von der jungen Frau. Condit hatte sie bei seiner Vernehmung durch die Polizei zunächst nur als "gute Freundin" bezeichnet; erst im Juni räumte der Ehemann und Vater zweier Kinder eine Affäre mit ihr ein.

Das Interview als Videomitschnitt im Internet.

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