Erstes Namhaftes Institut hebt seine Konjunkturprognose an
Deutschland holt beim Wachstum auf

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) teilte am Mittwoch mit, es rechne für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 % nach bislang 0,6 %. Für 2003 wird dann ein Wachstumssprung auf 2,6 % erwartet.

Reuters BRÜSSEL/BERLIN. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Kreis der sieben führenden Industrieländer (G7) erfuhr, erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass Deutschland nach 0,7 % Wachstum in diesem Jahr mit 2,5 % 2003 wieder Anschluss an die internationale Wachstumsentwicklung findet. Bundesbank-Direktoriumsmitglied Edgar Meister sagte in Berlin, er rechne im zweiten Halbjahr 2002 mit einer deutlicheren Belebung der deutschen Wirtschaft.

IWH erwartet 2002 hohe deutsche Defizitquote

Allerdings geht das IWH auch davon aus, dass das deutsche Staatsdefizit in diesem Jahr mit 2,9 % nur knapp unter der im Euro-Raum geltenden Obergrenze von drei % des Bruttoinlandsprodukts bleib. Die Arbeitslosenzahl werde 2002 im Durchschnitt vier Millionen erreichen.

Der Hauptimpuls kommt von der US-Wirtschaft

Von der US-Wirtschaft werden nach Einschätzung des IWH die entscheidenden Anstöße für die weltweite Belebung ausgehen. Als Folge werde die deutsche Wirtschaft im Frühjahr die "zyklische Wende zum Aufschwung" vollziehen. Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) formulierte geldpolitische Rahmen sei günstig. Im Sommer 2002 hält das IWH eine vorübergehenden Wachstumsrate von fast vier Prozent für möglich.

Danach werde das Wachstum wieder moderater. Im Jahresdurchschnitt werde das Plus 2002 bei 0,8 % und 2003 bei 2,6 % liegen. Die Zahl der Arbeitslosen werde gegenüber dem Vorjahr in diesem Jahr um rund 130.000 auf rund vier Millionen zunehmen, 2003 aber wieder um etwa 135.000 auf 3,865 Millionen sinken.

Auch IWF erwartet Wachstumssprung im kommenden Jahr

Auch der IWF rechnet nach Informationen von Reuters in seiner neuesten Prognose mit einem Wachstumssprung von 2,5 Prozent in Deutschland im kommenden Jahr nach plus 0,7 % 2002. Damit werde man im internationalen Wachstumsvergleich wieder aufschließen.

Deutschland werde von der weltweiten Beschleunigung des Wachstums, das der Fonds Ende 2002 bei einer Jahresrate von 3,5 % sieht, sowie einem erwarteten Sprung im US-Wachstum von 1,4 % in diesem auf 3,8 % im nächsten Jahr profitieren. Der IWF geht von einem durchschnittlichen Ölpreis von etwa 20 $ je Barrel bis Ende 2003 nach 24,30 $ im vergangen Jahr aus.

Bundesbank-Direktorium Meister rechnet nach eigenen Worten im zweiten Halbjahr 2002 mit einer deutlicheren Belebung. Es gebe ermutigende Anzeichen und Anlass zu Optimismus, sagte er in Berlin. Allerdings seien die Unsicherheiten noch zu groß, um die Größenordnung des Aufschwungs abzuschätzen.

Der IWF sieht den deutschen Staatshaushalts derzeit nicht in der akuten Gefahr, die im Europäischen Stabilitätspakt festgelegte Höchstmarke von drei % zu überschreiten. Der Fonds erwartet im laufenden Jahr eine Quote von 2,6 % und im nächsten Jahr von 2,1 %. Sollte sich die Entwicklung aber verschlechtern, seien "zusätzliche Maßnahmen" geboten.

IWF: Auch für USA und Japan zuversichtlich



In den USA rechnet der IWF den G-7-Kreisen zufolge im ersten Halbjahr 2002 mit einer moderaten Belebung. Für 2003 werde ein Wachstumssprung auf 3,8 % erwartet. Damit würde die jüngste Rezession eine relativ leichte bleiben. Im Euro-Raum rechnet das IWF den Kreisen zufolge mit 1,2 % Wachstum in diesem und 2,8 % Wachstum im nächsten Jahr.

Für den Euro-Raum hänge viel von der Entwicklung in Deutschland ab, das weiterhin unter dem durchschnittlichen Wachstum seiner Euro-Partner liegen werde. In Japan rechnen die IWF-Experten nach einem Minus von rund einem % im laufenden Jahr im nächsten Jahr mit 0,8 % Plus.

Die deutsche Bundesregierung erwartet 2002 ein Wachstum von rund 0,75 % mit einer zunehmenden Beschleunigung. Am Vortag hatte das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) für das laufende Jahr 1,2 % und das nächste Jahr 2,7 % Wachstum in Deutschland vorausgesagt.

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