Erstes Quartal fällt bei vielen Unternehmen schlechter als erwartet aus – Analysten bleiben für SAP optimistisch
Softwarebranche gerät unter Druck

Große US-Softwarehäuser wie Peoplesoft und Oracle haben ihre Erwartungen für das erste Quartal senken müssen. Starker Preisdruck und aufgeschobene Investitionen machen der Branche das Leben schwer.

FRANKFURT/M. Für eine große Zahl von Softwareherstellern hat das Jahr 2002 mit einem Fehlstart begonnen. Gleich mehrere große Unternehmen konnten die ohnehin saisonal niedrigen Erwartungen für das Softwaregeschäft in den ersten drei Monaten nicht erfüllen. Nach einer überraschenden Gewinnwarnung des SAP-Konkurrenten Peoplesoft, einem Hersteller von Software für das Personal- und Finanzmanagement, hat auch Commerce One, Spezialist für den elektronischen Handel, die Erwartungen der Analysten verfehlt. Zuvor hatte bereits Anfang März der US-Softwareriese Oracle, der Datenbanksoftware und Unternehmensanwendungen entwickelt, seine Ertragserwartungen revidieren müssen.



Doch auch in der zweiten Reihe der Softwarehäuser hat das Jahr vielfach mit schlechten Vorzeichen begonnen. Interwoven, ein Hersteller von Verwaltungssystemen für Internet- und Intranetinhalte sowie Broadvision überraschten im ersten Quartal mit höheren Verlusten als bislang angenommen. Ebenfalls Anfang März war die Aktie der deutschen Software AG unter die Räder gekommen. Nachdem der Anbieter von Großrechner und Datenbanksoftware seine Prognose für das erste Quartal auf Vorjahresniveau senkte , brach der Aktienkurs um rund 40 % ein.



"Viele Unternehmen haben ihre IT-Budgets gekürzt und Projekte verschoben", begründet Benno Arnold, Analyst bei der Bank Vontobel die Serie schlechter Nachrichten. Chancen für einen Aufschwung in der Softwarebranche sieht der Analyst "eher 2003 als in der zweiten Jahreshälfte 2002". Für den weltweit größten Softwaremarkt Nordamerika gehen die Analysten von Goldman Sachs jedenfalls nicht von einer schnellen Erholung aus. Knapp die Hälfte der weltweiten Softwareausgaben von 223 Mrd. Euro wurden 2001 in den USA ausgegeben. Doch der Technologiesektor folge der Erholung US-Gesamtwirtschaft "erst mit zeitlicher Verzögerung". Die Investmentbank reduzierte die Erwartungen für zwei Schwergewichte der Branche: Siebel Systems, dem größten Hersteller von Kundenmanagement-Software (CRM) und Microsoft. Für Microsoft senkte Goldman Sachs im ersten Quartal die Umsatzprognose um 300 Mill. $. Der Grund: In Europa und Japan bleiben die Verkaufszahlen der Videospielkonsole Xbox hinter den Erwartungen zurück.

Trotz einer Serie von Gewinnwarnungen von Konkurrenten sieht das größte europäische Softwarehaus SAP keinen Grund von seinen bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr 2002 abzurücken.SAP rechnet demnach mit einem Umsatzplus von 15 % und einer Verbesserung der operativen Marge von mindestens einem Prozentpunkt auf 21 %. Zwar hat Ende Januar SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann für die Walldorfer Softwareschmiede ein "herausforderndes Jahr in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld" in Aussicht gestellt. Doch "wenn wir dem Markt etwas zu sagen hätten, würden wir es umgehend tun", sagte gestern ein Unternehmenssprecher. Trotzdem hat die Aktie hat in den vergangangen zwei Tagen an der Börse mehr als 8 % an Wert verloren.

"Im Moment kann sich SAP dem Negativtrend der Softwarebranche noch relativ gut entziehen", sagt Friedrike Herkommer, Analystin bei der Hypovereinsbank. Die Produktpalette sei gut und reiche von Standardsoftware für die Finanzbuchhaltung und Personalmanagement (ERP) bis zu Software für das Kundenmanagement (CRM) oder Internetportale. "Doch auf Dauer belastet die schlechte Stimmung auch das Umfeld für SAP", glaubt die Analystin.

Zu schaffen macht den Softwarehäusern auch die zunehmend härter um Rabatte feilschende Kundschaft. "Die meisten Vertragsabschlüsse werden wenige Tage vor Ablauf des Quartals gemacht", sagt Benno Arnold. "Dann ist der Druck auf die Verkäufer am stärksten, durch Rabatte einen Vertrag noch in das laufende Quartal rechnen zu können". Anstelle der bislang üblichen Rabatte von 20- 30 % soll es im ersten Quartal zu Preisnachlässen bis zu 50 % gekommen sein.

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