Erstes Treffen angeblich schon am Donnerstag
Barak und Arafat in USA erwartet

Nach wochenlangen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern standen am Sonntag diplomatische Bemühungen um Konfliktlösungen im Mittelpunkt. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und der israelische Ministerpräsident Ehud Barak sollen Ende der Woche zu Konsultationen in Washington eintreffen.

dpa JERUSALEM/RAMALLAH/GAZA. In getrennten Gesprächen mit US-Präsident Bill Clinton wollen sie über weitere Schritte zur Beendigung der seit Ende September andauernden Kämpfe beraten. Arafats Sprecher Nabil Abu Rudeineh bestätigte am Sonntag, Arafat nehme eine Einladung von US-Präsident Bill Clinton zu einem Gespräch am Donnerstag (9.November) an.

Barak hatte ebenfalls am Samstagabend auf einer Massenkundgebung in Tel Aviv vor mehr als 100 000 Anhängern des Friedensprozesses eine Reise nach Washington "schon in der nächsten Woche" in Aussicht gestellt. Am fünften Jahrestag des Mords an dem israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin appellierte Barak an Arafat, alle nötigen Schritte zur Eindämmung der Gewalt zu unternehmen. Ein Friedensabkommen sei weiter möglich, betonte Barak.

Wieder zahlreiche Zusammenstöße

Ungeachtet der vereinbarten Waffenruhe beider Seiten kam es am Wochenende wieder zu zahlreichen Zusammenstößen palästinensischer Demonstranten mit der israelischen Armee. Dabei wurde am Sonntag im Gaza-Streifen ein 16-jähriger Palästinenser durch einen Kopfschuss getötet. Bei Gefechten nahe Bethlehem und Ramallah im Westjordanland wurden sieben Palästinenser verletzt, einer davon schwer.

Am Samstag war in Hebron nach palästinensischen Angaben ein drei Wochen alter Säugling durch Tränengas getötet und ein 14-jähriges Mädchen durch einen Kopfschuss so verletzt worden, dass es im Krankenhaus für klinisch tot erklärt wurde. Die Ausschreitungen erreichten dennoch nicht das Ausmaß der Unruhen vor der am Donnerstag vereinbarten Waffenruhe. Bei den Kämpfen sind seit Ende September mehr als 180 Menschen, überwiegend Palästinenser, ums Leben gekommen.

Barak beschwor den Palästinenserführer während der Kundgebung am Samstagabend: "Sie, der Sie die Hand von Izchak Rabin geschüttelt haben, Sie können der Gewalt ein Ende machen, den Zyklus der Gewalt beenden. Strecken Sie die Hand des Friedens aus und halten Sie die getroffenen Vereinbarungen ein!"

Der israelische Regionalminister Schimon Peres äußerte am Sonntag die Überzeugung, Arafat sei ernsthaft um eine Eindämmung Unruhen bemüht. "Ich bin überzeugt, dass Arafat eine ehrliche Anstrengung unternimmt, um die Ausschreitungen zu verringern", sagte Peres. Der Friedensnobelpreisträger Peres und der mit ihm gemeinsam ausgezeichnete Arafat hatten sich in der Nacht zum Donnerstag in Gaza auf Schritte zur Beendigung der blutigen Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern geeinigt. Israelische Zeitungen zitierten am Sonntag israelische Militärs mit der Einschätzung, Arafat habe Order zur Beruhigung der Lage gegeben, könnte aber "mehr tun".

Internationale Kommission geplant

Der palästinensische Kabinettssekretär Tajeb Abdel Rachim sagte am Sonntag, einer der Schwerpunkte bei den Gesprächen Arafats mit Clinton sei die Arbeit einer internationalen Kommission, die den Hintergrund der am 28. September begonnenen blutigen Kämpfe in den Palästinenser-Gebieten klären soll. Auf die Einsetzung der Kommission hatten Israelis und Palästinenser sich am 17. Oktober auf dem Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich geeinigt.

Rachim nannte als mögliche Mitglieder der Kommission den türkischen Ex-Präsidenten Süleyman Demirel, den Nordirland-Vermittler George Mitchell, den norwegischen Außenminister Thorbjörn Jagland, den EU-Beauftragten für Sicherheits- und Außenpolitik Javier Solana und den frühen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela. Die israelische Zeitung "Haaretz" hatte am Samstag in ihrer Internet- Ausgabe berichtet, als Vorsitzender der Kommission sei der frühere US-Außenminister Warren Christopher vorgesehen.

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