Erstes Ziel bleibt aber Selbstständigkeit der FAG
FAG-Betriebsrat fährt zweigleisig

Der Betriebsrat von FAG Kugelfischer bereitet sich ungeachtet seiner ablehnenden Haltung auf die drohende Übernahme durch den Herzogenauracher Konkurrenten INA-Wälzlager vor.

Reuters SCHWEINFURT. Betriebsratschef Klaus Weingart sagte vor mehreren tausend Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung am Dienstag in Schweinfurt, die Arbeitnehmervertretung müsse nun "zweigleisig fahren" und strebe einen Übernahme-Tarifvertrag mit INA-Chef Jürgen Geißinger an. Dieser habe bei einem Gespräch am vergangenen Freitag Verhandlungen hierüber zugesagt. "Ich muss diesen Weg gehen", sagte Weingart der Nachrichtenagentur Reuters nach der Veranstaltung zudem. Priorität habe die Sicherung der 18.000 Arbeitsplätze.

Weingart widersprach zugleich der Darstellung der Führung von FAG, die am Wochenende unter Berufung auf den Betriebsrat berichtet hatte, dieser sei vom Verlauf des Gesprächs mit dem INA-Chef enttäuscht. "Mir werden Worte im Mund herumgedreht", sagte er. Geißinger habe ihm die mündliche Zusage gegeben, dass es bei der feindlichen Übernahme nicht zu Stellenverlusten kommen werde. FAG werde nicht zerschlagen, sondern in seinen Strukturen erhalten, kein Standort geschlossen. Darauf verlasse er sich aber nicht. "Wir sind gebrannte Kinder", sagte Weingart unter Verweis auf frühere Verhandlungen mit FAG. Der Tarifvertrag solle bis zum Ablauf des Angebots am 22. Oktober stehen.

An der Betriebsversammlung nahmen nach Polizeiangaben rund 3500 Mitarbeiter und ehemalige Beschäftigte der FAG aus den drei unterfränkischen Standorten in Schweinfurt, in Eltershausen und in Eltmann teil. Währenddessen ruhte der Betrieb in den Werken. "Lieber wäre es mir, wenn die FAG unabhängig bliebe. Unser erstes Ziel bleibt die Selbstständigkeit", sagte Weingart. Durch die geplante Übernahme werde Geld verschwendet, INA habe Ängste ausgelöst. Es drohe eine Lähmung beider Unternehmen. Mit FAG und INA prallten "zwei Welten, zwei Unternehmenskulturen" aufeinander. Weingart appellierte erneut an die Aktionäre, ihre Aktien nicht an INA zu verkaufen.

FAG Kugelfischer will am Donnerstag in Frankfurt, wie nach dem Übernahmekodex vorgeschrieben, eine offizielle Stellungnahme zu der Offerte abgeben. INA will mit einem Angebot von elf Euro je FAG-Aktie den zweitgrößten Wälzlagerkonzern der Welt mit mehr als 6,4 Milliarden Euro Umsatz und 54.000 Mitarbeitern schaffen. Kugelfischer-Chef Uwe Loos hält das Angebot für zu niedrig und hat einen Gegenvorschlag in Aussicht gestellt, an dem neben dem japanischen FAG-Partner NTN auch andere "weiße Ritter" beteiligt sein könnten.

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