Erstmals alle Bereiche in der Gewinnzone
Siemens übertrifft eigene Erwartungen

Der Siemens-Konzern hat im dritten Quartal 1999/2000 seine Planungen erneut übertroffen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres hat sich der Gewinn damit mehr als verdoppelt. Der Konzern profitierte von der weltweit anhaltend hohen Nachfrage nach Computerchips, Handys und Industrieanlagen.

HB MÜNCHEN. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Siemens-Konzerns haben alle Geschäftsbereiche mit Gewinn gearbeitet. Getragen von der weltweit boomenden Nachfrage nach Chips, Handys und auch Industrieanlagen konnte Siemens das Konzernergebnis in den ersten neun Monaten 1999/2000 (30.9.) noch weiter nach oben schrauben. Der Vor-Steuer-Gewinn stieg gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um 128 % auf 3,556 Mrd. Euro. Nach Steuern und vor außerordentlichem Ergebnis hat sich der Gewinn mit 2,237 Mrd. Euro (+110 %) immer noch mehr als verdoppelt. Das außerordentliche Ergebnis beläuft sich unverändert auf 4,6 Mrd. Euro nach Steuern.

Demonstratives Selbstbewusstsein Dementsprechend selbstbewusst gab sich das Unternehmen gestern bei der Präsentation seiner Quartalszahlen. Analystenschätzungen, wonach sich der Nettogewinn vor außerordentlichem Ergebnis im Gesamtjahr um über 60 % auf gut 3 (Vj. 1,865) Mrd. Euro verbessern wird, sind für Siemens-Sprecher Eberhard Posner allenfalls die "Unterkante". Die Verdoppelung des Gewinns im Gesamtjahr sei allerdings nicht wahrscheinlich, da das überaus erfolgreiche vierte Quartal 1998/99 die Messlatte sehr hoch gehängt habe. Die Umsatzprognosen der Analysten von 75 (68,7) Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 1999/2000 bezeichnete Posner als "etwas konservativ".

Die Entwicklung im dritten Quartal lag deutlich über den Erwartungen. Der Umsatz stieg trotz umfangreicher Desinvestitionen um 19 % auf 18,8 Mrd. Euro. Bereinigt hätte das Wachstum sogar 26 % betragen. Der Auftragseingang erhöhte sich um 27 (bereinigt: 34) % auf 20,9 Mrd. Euro. Positive Währungseffekte haben sich laut Posner mit 5 bis 6 Prozentpunkten im Wachstum von Umsatz und Auftragseingang niedergeschlagen.

Das operative Geschäft hat sich im dritten Quartal weiter deutlich verbessert. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 87 % auf 1,2 Mrd. Euro. Die höchsten Ergebnisbeiträge haben die Chiptochter Infineon, die Automatisierungs- und Antriebstechnik (A&D) und das Arbeitsgebiet Information and Communication geleistet.

Da alle Geschäftsbereiche einschließlich des langjährigen Sorgenkinds Verkehrstechnik schwarze Zahlen schreiben, kann Siemens das Ziel eines "positiven Geschäftswertbeitrags" (Gewinne über Kapitalkosten) bereits im laufenden Geschäftsjahr und damit ein Jahr früher als geplant erreichen.

Das Arbeitsgebiet Information and Communication ist zum 1. April 2000 neu organisiert worden, unter anderem wurde der bisher bei der ICN (Telekommunikation und Netzwerke) angesiedelte Bereich mobile Infrastruktur nun dem Bereich ICM (gesamte mobile Kommunikation) zugeschlagen. Die vorgelegten Zahlen sind aber dennoch vergleichbar. So hat ICM die Umstellung auf die neue Handy-Generation, die mit erheblichen Investitionen verbunden war, gut geschafft und liegt mit dem Neun-Monats-Ebit von 193 (123) Mill. Euro über Plan.

Schwierigkeiten bei der Komponentenzulieferung führen jedoch dazu, dass trotz des Handy-Booms das Absatzziel von 30 Mill. Stück nicht ganz erreicht wird. Für das kommende Geschäftsjahr sind dann allerdings 60 Mill. Stück geplant. Die Komponentenlieferung dafür ist laut Posner bereits abgesichert. Bei ICN wuchs das Ebit auf 161 (62) Mill. Euro.

Für die zusammen mit Bosch erworbene Mannesmann-Industriesparte Atecs rechnet der Siemens-Sprecher "irgendwann im Herbst" mit einem positiven Bescheid aus Brüssel. Die jetzt vorgelegten Strukturen berücksichtigten alle wesentlichen Fragen der Europäischen Kartellbehörde.

Durch die ursprünglich nicht geplante Eingliederung der Dematic könne ein erfolgreiches Geschäftsfeld informationsgetriebene Logistik aufgebaut werden. Das hätten auch die Analysten eingesehen. Die Eingliederung von VDO und Dematic werde zu verstärktem Wachstum und dem Aufbau von Arbeitsplätzen führen. Sachs dagegen passe nicht in die IT-Produktstrategie des Konzerns. Der Autozuliefer werde deshalb nicht integriert, sondern nur aus kartellrechtlichen Gründen eine Zeit lang von Siemens geführt.

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