Erstmals eigener E-Government-Bereich auf der Systems
Virtuelles Rathaus oftmals noch Illusion

Stundenlange Behördengänge sind out, Anträge online im Rathaus einzureichen jedoch absolut in. Von der Wunschkennzeichen-Reservierung für das eigene Auto bis zur Meldung über die Wohnsitzänderung - das ist mancherorts schon per Internet möglich.

ddp MÜNCHEN. Die Stadt München etwa stellt bereits viele ihrer Dienstleistungen online zur Verfügung, immer mehr Kommunen versuchen, dem Beispiel zu folgen. Die Messe München möchte mit ihrer IT Systems-Fachschau 2001 diese Entwicklung im deutschen Behördenapparat natürlich nicht verpassen.

Erstmals präsentiert die Messe, die noch bis zum Freitag in den neuen Halen im Osten der bayerischen Landeshauptstadt stattfindet, in diesem Jahr eine so genannte "eGovernment-Area": 34 Aussteller, darunter renommierte Unternehmen wie Compaq, IBM, Microsoft und SAP, zeigen in der Halle A1 alles rund E-Government, also die elektronische Verwaltung.

Wie eine Studie der Unternehmensberatung Accenture, die im Frühjahr 22 Staaten auf ihre digitale Modernisierung untersuchte, zeigt, ist der Aufklärungsbedarf hierzulande hoch: Im internationalen Vergleich humpelt der deutsche Verwaltungsapparat nämlich anderen Ländern hinterher. Gerade mal für Platz 15 reichte es für die Bundesrepublik. Die Spitzenreiter wie Kanada, USA und Singapur bieten bereits mehr als doppelt so viele behördliche Dienstleistungen per Mausklick an.

Für Berlin sind diese Erkenntnisse offenbar ein Alarmsignal. Bis zum Jahr 2005 will die Bundesregierung die virtuelle Verwaltung flächendeckend installieren. Ein hehres Ziel, betrachtet man das ernüchternde Fazit der Accenture-Studie: Zu zögerlich, zu inkonsequent und vor allem mit viel zu wenig Geld treiben die Kommunen bislang ihre Online-Dienstleistungen voran. Schlimmer noch: Haupthindernis sei ganz einfach «der fehlende Wille, Strukturen und Prozesse zu verändern».

Diese Einschätzung teilt auch Ingo Rudolph, E-Government-Koordinator bei der Bayreuther Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB). Seit Jahren schult er Fach- und Führungskräfte der Behörden, um sie fit für das virtuelle Zeitalter zu machen. «Die Verwaltungsmitarbeiter sind einfach noch nicht bereit für diese schnellen Veränderungen», berichtet Rudolph. Vielfach hätten Beamte nämlich seit 30 Jahren die immer gleichen Arbeitsprozesse verinnerlicht, «das kriegen sie von heute auf morgen nicht raus». Das Ergebnis sieht nach Aussage des Experten wie folgt aus: Viele Kommunen sind zwar mit einer eigenen Seite im Internet vertreten, haben aber außer schönen Bildern und vielleicht noch einigen Telefonnummern nicht viel zu bieten.

Dennoch bleibt Ingo Rudolph optimistisch. Die Entwicklung brauche eben Zeit, es komme schließlich oftmals zum Aufbau völlig neuer Strukturen innerhalb einer Kommune. Als Beispiel nennt er ein Pilotprojekt in Niederbayern, wo Autohändler ihre Fahrzeuge bereits online anmelden könnten. Obwohl die Neuzulassung von Fahrzeugen eigentlich in den Verantwortungsbereich des Landratsamtes falle, könne der Händler die Zulassungsplaketten im Rathaus seiner Gemeinde abholen. "Das hier noch viel Pionierarbeit zu leisten ist, um allein normierte Verwaltungsvorgänge einzuführen, dürfte wohl jedem klar sein", meint der E-Government-Fachmann, dessen Anstalt deshalb die Systems zum Erfahrungsaustausch nutzen will.

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2005 alle möglichen Dienstleistungen einer Behörde online anzubieten, bewertet Rudolph jedoch als illusorisch. Allein aufgrund der Altersstruktur der Behördenmitarbeiter hält er das für nicht machbar, erst mit der nachwachsenden Beamtengeneration könne man eine solche Vorgabe erreichen. "Und das ist frühestens 2010 soweit", lautet seine Prognose. Stundenlange Behördengänge könnten mancherorts also noch eine Weile Realität in bleiben.

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