Erstmals Marketing-Kosten von einer Milliarde Euro
Beiersdorf pflegt nur noch die starken Marken

Rolf Kunisch, Vorstandschef der Beiersdorf AG und ausgewiesener Marketingexperte, wird nicht müde, sein Credo zu wiederholen: Der Hersteller von Körperpflegeartikeln und medizinischen Produkten wie Pflastern und Stützstrümpfen soll in erster Linie aus eigener Kraft den Umsatz jährlich um 8 bis 10 % erhöhen und die Ebit-Rendite von 9,5 auf 12 % steigern.

beu HAMBURG. Dies wurde in der Sparte Körperpflege (Cosmed) mit 12,6 % bereits im Jahr 2000 erreicht. Bei medizinischen Artikeln( 3,7 %) liegt der Zielhorizont bei zwei bis drei Jahren. Für Akquisitionen ist der Konzern durchaus offen, wenn sie die Position stärken.

Intern werde sich Beiersdorf auf "wenige, aber starke Marken" konzentrieren, kündigt Kunisch an. Kernmarken im Verbrauchergeschäft sind außer Nivea, die allein mit 2,1 Mrd. Euro mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 4,1 Mrd. Euro einfährt , Juvena, La Prairie, Futuro, Eucerin, Hansaplast, Atrix, Labello und 8x4. Sie alle haben im Jahr 2000 Wachstumsraten zwischen 10 % (Juvena) und 31 % (Futuro) vorgelegt.

"Wir versuchen ausgeglichen in alle großen Marken zu investieren", sagte Kunisch. Zu den Investitionen zählt er die Marketingaufwendungen, die jährlich überproportional zum Umsatz steigen. Im Jahr 2000 haben sie mit 1,1 Mrd. Euro ( plus 14,3 %) erstmals die 1 Mrd. Euro-Schwelle überschritten. Der Klebebandhersteller Tesa steht nicht mehr auf Kunischs Liste, da er sich seit dem 1. Januar 2001 als selbstständige AG an Industriekunden richtet. Tesa wird als 100-prozentige Tochter konsolidiert. Es gebe keine Pläne, dies in absehbarer Zukunft zu ändern.

Nachholbedarf in der Babypflege

Vorrang beim Markenwachstum hat für Kunisch möglichst in jedem Segment und auf jedem nationalen Markt die Nummer eins zu werden. Nivea hat dies in Europa bei der Haut- und Gesichtspflege schon weitestgehend erreicht. Die Markenfamilie, die auch 2000 wieder um 16 % zugelegt hat, hinkt allerdings in einer Sparte zurück: in der Babypflege ist Nivea in Deutschland praktisch nicht präsent.

Im laufenden Jahr will Beiersdorf den Konzernüberschuss auf 270 (226) Mill. Euro und die Ebit-Rendite auf über 10 % steigern. Der Umsatz ist mit 4,5 Mrd. Euro geplant. Prognostiziert wurde ein Volumenzuwachs von über 10 % für die Sparte Körperpflege und jeweils mehr als 6 % für medizinische Produkte und Tesa. Im ersten Quartal ist der Umsatz um 11,6 % auf 1,03 Mrd. Euro gestiegen. Alle Regionen haben zugelegt, sagte Finanzchef Rolf-Dieter Schwalb: der Umsatz in Deutschland um 8 %, in Europa ohne Deutschland um 11 %, in Amerika um 22 % und in Asien um 5,9 %.

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