Erstmals rote Zahlen
Kamps backt jetzt kleinere Brötchen

Europas größter Backkonzern Kamps tischt seinem neuen Mehrheitseigentümer Barilla tiefrote Zahlen auf. Der Düsseldorfer Konzern ist im ersten Halbjahr 2002 mit dem Fehlbetrag von 35,4 Millionen Euro erstmals in die Verlustzone gerutscht.

HB/dpa/rtr DÜSSELDORF. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war noch ein Konzernüberschuss von 8,7 Millionen Euro erzielt worden. Der Fehlbetrag sei hauptsächlich durch die außerordentlichen Aufwendungen bei der Umfinanzierung von Finanzverbindlichkeiten und bei der Übernahme durch den weltweit größten Nudelproduzenten entstanden, sagte ein Kamps-Sprecher am Mittwoch. Auf der Seite von Kamps fielen dabei Beraterkosten an.

Das Betriebsergebnis schrumpfte im ersten Halbjahr 2002 um ein Viertel auf 30 Millionen Euro. Neben einer schwachen Konjunktur auf dem deutschen Markt hätten sich höhere Ausgaben für das Platzieren von Backwaren im deutschen Einzelhandel und Bereinigungen innerhalb des Konzerns ausgewirkt.

Bakerstreet, das Snack-Geschäft mit belegten Brötchen an Tankstellen, sei veräußert worden. Mit einer demnächst anlaufenden Werbekampagne für "Golden Toast" soll das Potenzial der Marke noch besser genutzt. Kamps habe die führende Position auf dem europäischen Backwarenmarkt im ersten Halbjahr 2002 gestärkt: Der Konzernumsatz nahm leicht um 6 Millionen auf 848 Millionen Euro zu.

Deutschland ist mit 70 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt für Kamps. Der Inlandsumsatz sei trotz Kaufzurückhaltung gestiegen. In Frankreich nahm der Umsatz des zu Kamps gehörenden Marktführers Harrys um 15 Prozent zu. Kamps teste Shops mit Selbstbedienung an zunächst zwei Standorten. Bei den Backwaren im "Bäcky"-Laden werde auf Rohware aus den Kamps-Großbäckereien zurückgegriffen. Offen sei aber, ob und wann Kamps ein größeres Netz an Selbstbedienungsläden aufbaue. Solche Läden mit weniger Personal bieten Backwaren zu einem niedrigen Preis an und werden deshalb auch Discount-Bäcker genannt.

Bereits Anfang August hatte Kamps angekündigt, dass unter anderem außerordentliche Aufwendungen im Zusammenhang mit der Übernahme durch den italienischen Nudelhersteller Barilla das Betriebsergebnis belasten würden.

Die nicht börsennotierte Barilla plant indes nach Informationen des "Handelsblatt", im September eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 300 Millionen Euro und einer Laufzeit von drei Jahren zu begeben. Bei dem Bond handele es sich um einen "Floater", also einem Wertpapier mit variablem Zinssatz. Mit der Anleihe wolle Barilla teilweise die Übernahme von Kamps finanzieren.

Barilla war mit einem Übernahmeangebot an die Kamps-Aktionäre im Juli der Mehrheitseigentümer des Düsseldorfer Konzerns geworden. Das italienische Großunternehmen hält mit seinen Finanzierungspartner nun rund 97 Prozent der Kamps-Aktien in der Hand. Die Kamps AG fiel wegen des sehr geringen Streubesitzes Ende Juli aus dem Aktienindex MDax.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%