Erstmals seit 1934 vier Neulinge im Viertelfinale
WM der Sensationen

Gleich vier Mannschaften - Südkorea, Senegal, die Türkei und die USA - stehen erstmals in ihrer Geschichte unter den besten Acht. Ebenfalls zum ersten Mal bestreiten Mannschaften aus fünf FIFA-Kontinentalverbänden das Viertelfinale.

dpa YOKOHAMA/HAMBURG. Der Wunsch von FIFA-Präsident Joseph Blatter nach mehr WM-Überraschungen ging in Erfüllung - die Hoffnung nach einem weiteren Siegeszug der Gastgeber zumindest zur Hälfte. Mit dem 2:1-Achtelfinal-Triumph über Italien nach Golden Goal und dem erstmaligen Einzug eines asiatischen Teams ins Viertelfinale hat Südkorea WM-Geschichte geschrieben. Dagegen sind die Japaner mit dem 0:1 gegen die Türkei aus ihrem schönen WM-Traum viel zu früh erwacht, und damit dürfte es im Land der aufgehenden Sonne auch mit der euphorischen Stimmung vorbei sein. Zum ersten Mal seit 1994, als die USA durch ein 0:1 gegen Brasilien die Segel strichen, schied ein WM- Gastgeber in der Runde der letzten 16 aus.

Nach den frühen Favoritenstürzen von Titelverteidiger Frankreich und dem zweimaligen Champion Argentinien geriet die Hierarchie in der Fußball-Welt durch das Achtelfinale noch mehr ins Wanken. Gleich vier Mannschaften - Südkorea, Senegal, die Türkei und die USA - stehen erstmals in ihrer Geschichte unter den besten Acht. Das gab es zuletzt 1934 bei der zweiten WM-Auflage in Italien.

Sportlich setzte sich der Trend der Gruppenspiele in der ersten K.o.-Runde nur zum Teil fort. Zwar ist nach wie vor das Tempo sehr hoch, nicht mehr jedoch die Bereitschaft zur Offensive. Zudem sind Geniestreiche von der Marke Rivaldo zur 1:0-Führung Brasiliens über Belgien Mangelware. Cesar Luis Menotti gab gar das vernichtende Urteil ab: "Bisher hat diese WM kaum jemanden emotional berührt. Wegen der Anstoßzeiten - und weil die Qualität des Fußballs bislang armselig war."

Möglicherweise wird der argentinische Weltmeister-Trainer im Halbfinale versöhnt. Mit dem Sieger zwischen Afrika-Vizemeister Senegal und dem Überraschungsteam aus der Türkei wird am Samstag in Osaka zumindest einer der Viertelfinal-Novizen auch in die Vorschlussrunde einziehen. Dagegen muss mit Rekord-Weltmeister Brasilien oder dem Fußball-Mutterland England ein Turnierfavorit bereits am Freitagabend in Shizuoka die Segel streichen.

Deutschland könnte am Freitag in Ulsan mit einem Erfolg über die USA zum zehnten Mal in ein Halbfinale einziehen. Spanien indes, auf Clubebene so erfolgreich, würde sich mit einem Sieg über Südkorea erst zum zweiten Mal nach 1950 für ein WM-Halbfinale qualifizieren.

Neben sportlichen Meriten geht es dabei auch um viel Geld. 7,9 Millionen Schweizer Franken haben die Viertelfinalisten aus dem Prämientopf des Fußball-Weltverbandes FIFA bereits sicher. Der Einzug ins Halbfinale würde jedem Teilnehmer noch einmal vier Millionen Franken einbringen.

Bei der 17. Auflage der Fußball-Weltmeisterschaft werden zum ersten Mal Mannschaften aus fünf FIFA-Kontinentalverbänden das Viertelfinale bestreiten. Mit einem Minusergebnis ist Europa gleichzeitig der große Verlierer des Turniers. Für das Feld der letzten Acht stellt der alte Kontinent nach dem K.o. des dreimaligen Weltmeisters Italien erstmals seit 32 Jahren nur noch vier Vertreter. Ergänzt wird das Viertelfinale durch jeweils ein Team aus Südamerika (Brasilien), Nordamerika (USA), Afrika (Senegal) und Asien. Mit Gastgeber Südkorea ist zum zweiten Mal nach 1966 (Nordkorea) Asien in einem Viertelfinale vertreten.

Für Europa bedeutet der Ausgang des Achtelfinales eine weitere Pleite, nachdem mit Titelverteidiger Frankreich sowie Geheimtipp Portugal bereits zwei Mitfavoriten in der Vorrunde ausschieden. Deutschland hat sich bei seiner 15. Endrunden-Teilnahme zum 14. Mal für die Runde der letzten Acht qualifiziert, dazu kommen England, Spanien und erstmals die Türkei. Europa war in der WM-Geschichte nur 1970 in Mexiko ein Mal so gering im Viertelfinale vertreten. Zuletzt waren es 1998 in Frankreich sechs Teams, davor 1994 in den USA sogar sieben.

Die Viertelfinal-Besetzungen nach Kontinenten seit 1954:

 WM Europa Südamerika Nord-/ Afrika Asien Mittelam. 2002 Südkorea/Japan 4 1 1 1 1 1998 Frankreich 6 2 0 0 0 1994 USA 7 1 0 0 0 1990 Italien 6 1 0 1 0 1986 Mexiko 5 2 1 0 0 1982 Spanien* 10 2 0 0 0 1978 Argentinien* 5 3 0 0 0 1974 Deutschland* 6 2 0 0 0 1970 Mexiko 4 3 1 0 0 1966 England 5 2 0 0 1 1962 Chile 6 2 0 0 0 1958 Schweden 7 1 0 0 0 1954 Schweiz 6 2 0 0 0

* WM-Endrunden 1982 statt Achtelfinale 2. Finalrunde mit 12 Teams, 1978 und 1974 2. Finalrunde mit 8 Teams

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