Erstmals seit 1996 Leistung des Vorjahres unterschritten
Wirtschaft im vierten Quartal erneut geschrumpft

Die deutsche Wirtschaft ist zum Ende des vergangenen Jahres wie erwartet in einer leichten Rezession geblieben und im vierten Quartal erneut geschrumpft. Gleichwohl erwarten Experten weiterhin, dass sich die Konjunktur nach einem schwachen Start zu Jahresanfang spätestens ab dem Frühjahr allmählich erholt und die Wirtschaft 2002 etwas wächst.

Reuters WIESBADEN. Das Statistische Bundesamt teilte am Mittwoch mit, Rückgänge beim privaten Verbrauch sowie bei Investitionen und Exporten hätten zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom dritten auf das vierte Quartal um 0,3 % geführt, nachdem das BIP bereits im dritten Quartal um 0,2 % geschrumpft war. Erstmals seit mehr als fünf Jahren sank die deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2001 auch im Vergleich zum Vorjahr. Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums und vieler Experten steht die konjunkturelle Trendwende jedoch kurz bevor.

Im Gesamtjahr 2001 wuchs die deutsche Wirtschaft nach Angaben des Statistischen Bundesamts wie zuvor geschätzt um 0,6 %. Das Staatsdefizit revidierte das Amt auf 2,7 von zuvor genannten 2,6 %. Damit geriet Deutschland noch näher an die Drei-Prozent-Grenze des EU-Stabilitätspakts.

Daten bestätigen Rezession im zweiten Halbjahr



Die Daten bestätigten, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte in einer leichten Rezession befand, nachdem sie im Jahr 2000 noch um drei Prozent gewachsen war. Nach gängiger Definition befindet sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession, wenn das BIP in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft. Im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung ebenfalls zurück. Bereits für das zweite Quartal hatten die Statistiker zunächst eine "rote Null" vermeldet - also einen minimalen Rückgang. Am Mittwoch jedoch revidierten sie das Wachstum für diesen Zeitraum auf "plus 0,0".

Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte das BIP im Schlussquartal erstmals seit Anfang 1996, und zwar um 0,1 (Vorquartal: plus 0,4) Prozent. Analysten hatten im Schnitt ein Minus von 0,2 % zum Vorquartal und eine Stagnation zum vierten Quartal 2000 erwartet. Die Bundesbank war von einem Rückgang um ein Viertel Prozent zum dritten Quartal ausgegangen.

Volkswirte: Das Schlimmste dürfte bald vorbei sein

Sowohl viele Analysten und Wirtschaftsinstitute als auch die Bundesregierung zeigten sich unverändert optimistisch, dass es mit der deutschen Wirtschaft schon bald wieder bergauf geht. "Das schlimmste dürfte jetzt vorbei sein", sagte Andreas Scheuerle von der DGZ-Dekabank. Die Bundesregierung geht für 2002 von einem BIP-Zuwachs um rund 0,75 % aus. Dass sich die Signale für eine baldige wirtschaftliche Erholung mehrten, spreche dafür, "dass die konjunkturelle Wende zum Besseren kurz bevorsteht", teilte das Finanzministerium mit. Konjunkturexperte Gustav Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet ein Jahreswachstum um 0,6 %.

Am Dienstag hatte ein deutlich verbessertes Wirtschaftsklima die Hoffnungen auf eine baldige Konjunkturerholung gestärkt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland war im Februar zum vierten Mal in Folge und außerdem unerwartet deutlich auf 88,7 von 86,2 Punkten im Januar gestiegen. "Der Wendepunkt naht", hatte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn gesagt.

Mit vorsichtigem Optimismus blicken auch die deutschen Banken in die Zukunft. "Alle Indikatoren der letzten Wochen deuten darauf hin, dass wir uns der Wende zumindest annähern", sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutsche Banken (BdB) in Berlin. Er fügte jedoch hinzu: "Wir sind noch nicht raus aus dem Schneider."

Zeitpunkt des Aufschwungs noch ungewiss

Wann die Konjunkturerholung beginnen könnte, ist unter Analysten noch umstritten. Das DIW geht von einem Wachstum um 0,2 % bereits im ersten Quartal aus. Volkswirt Scheuerle zeigte sich ebenfalls recht optimistisch: "Wir könnten ein leicht positives erstes Quartal bekommen, aber die Erholung wird erst in der zweiten Jahreshälfte an Dynamik gewinnen." Jörg Lüschow von der WestLB sagte dagegen für die ersten drei Monate des Jahres ein weiteres Minus von 0,1 bis 0,2 % und damit eine Fortsetzung der Rezession voraus. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte kürzlich vor einer fortgesetzten Rezession gewarnt.

Das Wachstum im Gesamtjahr wird nach Einschätzung von Analysten wegen des negativen statistischen Überhangs jedoch gering ausfallen. "Für das ganze Jahr 2002 sind die Aussichten trotz der Erwartung einer kräftigen Konjunkturwende im Sommer nicht überschäumend", sagte Lüschow. Nach Einschätzung von Glenn Davies vom Credit Lyonnais bedeuten die Daten aber nicht zwingend, dass die Erholung nun schwächer ausfallen werde. Besorgt äußerte er sich über die geringe Konsumentennachfrage. "So wird die gesamte Erholung wieder nur von Exporten abhängen."

Zu den von der Bundesregierung zitierten Wachstumserwartungen der OECD und der Europäischen Kommission von bis zu 2,9 % für das kommende Jahr äußerte sich DIW-Experte Horn skeptisch. "Die Rahmenbedingungen sind derzeit nicht so, als dass man das erwarten könnte.

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